So wirklich freuen kann sich die heimische Finanzbranche auf das kommende Jahr wohl nicht, wissen die Marktteilnehmer doch bereits jetzt, dass mit der Einführung des neuen Wertpapieraufsichtsgesetzes 2018 (WAG 2018) auch gleichzeitig die ungeliebte "Markets in Financial Instruments ­Directive“ – Mifid II in Österreich umgesetzt wird. Welche Auswirkungen dadurch zu erwarten sind, wurde in den vergangenen Monaten ausführlich analysiert; etliche Punkte zur Umsetzung in der Praxis gilt es natürlich noch mit der Finanzmarktaufsicht zu klären. Bei genauerer Betrachtung des WAG 2018 fällt allerdings auf, dass es auch neue Zusätze im Gesetzestext gibt, die nicht in di­rek­tem Zusammenhang mit der Umsetzung von Mifid II stehen.

Einer dieser Zusätze findet sich auf Seite 160 des WAG 2018 und sollte vertraglich gebundene Vermittler und Wertpapiervermittler interessieren. Der dort angeführte § 90 regelt nämlich unter anderem, welche Befugnisse die FMA gegenüber den zu Beaufsichtigenden hat. Das betrifft etwa die Einsichtnahme in Bücher und Dokumente: Die FMA kann Aufzeichnungen von Telefongesprächen und Datenübermittlungen anfordern, aber auch Vor-Ort-Prüfungen durchführen. Gerade Letzteres ist ein in der Branche gefürchtetes Instrument, da diese "Besuche“ massiv Zeit und Ressourcen der kontrollierten Unternehmen in Anspruch nehmen. Bisher traf es dabei nur die konzessionierten Unternehmen wie Wertpapierfirmen, WPDLU und Kreditinstitute.

Unter Punkt 4 des besagten Paragrafen findet sich nun allerdings ein Zusatz, der besagt, dass die Aufsichtsbehörde die angeführten Befugnisse auch unmittelbar gegenüber vertraglich gebundenen Vermittlern sowie Wertpapiervermittlern ausüben kann. Im Klartext bedeutet dies, dass Berater in Zukunft auch mit Hausbesuchen der FMA rechnen müssen.

Der Kontrollwahn erreicht damit das nächsthöhere Level. Und auch diesmal hat man im Vorfeld nicht das Gefühl, dass das an der "Sicherheit" der Anleger viel ändern wird. Während man als Berater für einen 50-Euro-Sparplan vom Kunden Dutzende Unterschriften benötigt, kann derselbe Anleger sein Vermögen ohne große Einmischung durch den Staat mithilfe von Kryptowährungen vernichten. Betroffen sind davon über 2.500 Vermittler, deren Trost wohl nur darin besteht, dass die personellen Ressourcen der Behörde nicht groß genug sind, um jeden einzelnen Berater regelmäßig "heimzusuchen". Die Beweggründe für diesen Schritt sind zumindest aus Sicht der Berater nicht ganz nachzuvollziehen.