Bank Sarasin: Die Weltwirtschaft atmet auf

Jan Amrit Poser, Bank Sarasin
Seit Jahresbeginn kennen die Aktienmärkte nur eine Richtung: aufwärts. Der Anstieg von über zehn Prozent in den zyklischen Aktienmärkten wird von Skeptikern vielfach auf eine Formel gebracht: „Alles nur Liquidität“. Wie nachhaltig ist diese Erholung der Finanzmärkte vor dem Hintergrund der makroökonomischen Marktlage? Dieser Frage geht Jan Amrit Poser, seines Zeichens Chefökonom der Bank Sarasin, in seiner aktuellen Finanzmarktkolumne nach und kommt zu dem Ergebnis, dass Liquidität allein „keine hinreichende Bedingung“ für einen globalen Aufschwung ist.
Unternehmen fahren Produktion hoch
Skeptiker der zuletzt äußerst positiven Entwicklungen merken an, dass die für den Monat Januar veröffentlichten Exportzahlen aus Asien erstmals seit zwei Jahren wieder einen Rückgang aufweisen. In China brachen die Ausfuhren um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein, noch stärker war der Rückgang in Südkorea (- 6,6%) und Taiwan (- 16,8%). Bei genauem Hinsehen werde laut Poser jedoch offensichtlich, dass die asiatischen Daten aufgrund des chinesischen Neujahrsfestes immer erheblichen Schwankungen ausgesetzt sind. Eine Überprüfung der Einkaufsmanagerindizes der asiatischen Länder zeige, dass sich die Stimmung im Januar nicht verschlechtert, sondern verbessert hat. „Dies deutet auf höhere Exporte und Industrieproduktion in den kommenden Monaten hin“, gibt sich der Ökonom zuversichtlich.
Die Erholung der Stimmungsindikatoren Asiens ist eine direkte Folge des Aufwärtstrends der US-Industrieindikatoren über die Auftragseingänge. Diese haben schon im 4. Quartal 2011 eine Talsohle erreicht, ungeachtet der Eskalation der Euro-Staatsschuldenkrise im Dezember. Tatsächlich scheinen Unternehmen, sowohl in den USA als auch im Rest der Welt, im Zuge der Unsicherheiten um die Euroschuldenkrise und die Schuldengrenze der USA im Sommer 2011 übervorsichtig geworden zu sein. „Sie haben die Lagerbestände reduziert und Aufträge zurückgefahren oder kurzfristiger terminiert. Gegen Ende des Jahres realisierten die Industrieunternehmen, dass die Produktion zu gering war um die Nachfrage zu befriedigen und fuhren den Output wieder hoch“, resümiert Poser.
Globaler Zyklus hilft auch Europa
Die USA hätten zwar im Zuge des Aufstiegs der Schwellenländer an weltwirtschaflticher Bedeutung eingebüßt und seien nach Ansicht des Ökonomen nicht mehr „die Lokomotive der Weltkonjunktur“. Doch die Globalisierung führe dazu, dass die Welt enger vernetzt und der Konjunkturzyklus globaler geworden ist. Die US-Konjunkturindikatoren stünden also stellvertretend für den globalen Zyklus. „Dieser befindet sich demnach ganz klar im Aufschwung“, so Poser. Die Analysen der Bank Sarasin zeigen, dass Europas Geschäftsklima dem Rest der Welt immer ein bis zwei Quartale hinterherläuft. Daher ist davon auszugehen, dass Europa ab dem 2. Quartal 2012 wieder wachsen wird. Der globale Aufschwung sollte die Aktienmärkte bis in den Sommer hinein beflügeln. (dw)
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Quelle:FONDS professionell
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