Man muss schon besonders politikaffin sein, um sich daran zu erinnern, dass ein Ökonom namens Paolo Savona vor 25 Jahren für eine kurze Zeit Industrieminister Italiens war. Jetzt gilt aber genau dieser Mann laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Ansa als heißester Anwärter für das Amt des Finanzministers – ein nicht ganz so weit in die Vergangenheit reichender Blick ins Archiv könnte die Märkte nun weiter verunsichern.

Laut Bloomberg hat Savona im Sommer 2015 in einem Interview Deutschland massiv wegen seines Verhaltens rund um die Griechenland-Krise kritisiert. Das wäre nicht weiter aufregend, hätte der Ökonom von der italienischen Regierung nicht auch einen "Plan B" für die Mitgliedschaft in der Eurozone gefordert. Es wäre nämlich "eine Tragödie, wenn Italien unvorbereitet" auf einen Euro-Exit wäre. Denn der hohe Schuldenstand mache das Land "dafür anfällig zu 'Reformen' erpresst zu werden", meinte Savona in Anspielung an die erwähnte Griechenland-Krise.


Italienische Staatsanleihen, 10 Jahre, Rendite in Prozent

Quelle: Bloomberg


Wie nervös die Märkte sind, zeigt ein Blick auf die Staatsanleihen des Stiefelstaates. Dort sind die Renditen im Umfeld der Wahl und nach dem Sieg der Rechtspopulisten stark angestiegen. Befürchtet wird ein neuer Schub bei der Staatsverschuldung. Dass ein möglicher neuer Finanzminister einen "Plan B" echten "Reformen" vorzieht, dürfte die Lage nicht unbedingt entspannen. Auch am Tag, als das Szenario rund um Savona als Finanzminister bekannt wurde, gingen die Renditen gegen den europäischen Tagestrend hinauf. (hw)