Die bestehenden Rahmenbedingungen für die private Pensionsvorsorge seien zu starr: Den Vorsorgesparern der dritten Säule sollte wie in der zweiten Säule (Betriebspension) die Möglichkeit eingeräumt werden, zwischen verschiedenen Risikoklassen zu wählen, fordert der VÖIG. "Größtes Manko der bestehenden Zukunftsvorsorgeeinrichtung derzeit ist, dass das Investmentuniversum zu restriktiv und eine zwingende Kapitalgarantie vorgesehen ist", kritisieren die Experten.

Zur Erklärung: Die prämienbegünstigte Vorsorge in Österreich sieht vor, dass die Aktienquote an das Lebensalter des Vertragsinhabers angepasst wird: 30 Prozent bis zum Alter von 45 Jahren, 25 Prozent bis zum Alter von 55 Jahren und danach 15 Prozent. Ab 2013 gibt es für dieses Lebenszyklusmodell für neue Verträge nur noch ein zweistufiges Modell: Unter 50 Jahre liegt die Aktienquote in einer Bandbreite von 15 bis 60 Prozent, für über 50 Jährige zwischen fünf und 50 Prozent. Zur Absicherung der geleisteten Beiträge ist im Falle der Verrentung eine Kapitalgarantie verpflichtend vorgesehen, die neben den geleisteten Beiträgen auch die staatlichen Prämien umfasst.

"Für die langfristige Pensionsvorsorge ist schon vor dem anhaltenden Niedrigzinsniveau eine individuelle Aktienquote von großer Bedeutung. Garantieverpflichtung und Aktienquote sind aber nicht sinnvoll miteinander vereinbar und führen zu hohen Garantiekosten", kritisiert der VÖIG. Dies habe schwerwiegende Auswirkungen. Eine aktuelle Studie der Nationalbank zeige, dass Vorsorgeprodukte eine untergeordnete Rolle spielen: Nur 21 Prozent der Veranlagungen sind im Vorsorgebereich, der EU-Durchschnitt beträgt 38 Prozent.

"Wertpapier-KESt aufheben"
"Unbefriedigend" sei auch die steuerliche Situation. Wer langfristig für die Pension anspart, wird gegenüber kurzfristigen spekulativen Anlegern gleichgestellt. Es kommt bei der Realisierung von Kursgewinnen die volle KESt zum Tragen. Die Politik solle eine Aufhebung der Wertpapier-KESt andenken.

Die dritte Säule sollte dahingehend liberalisiert werden, dass Kunden unter Pensionsvorsorge-Produkten, wie Investmentfonds und Versicherungen, je nach persönlicher Risikobereitschaft frei wählen können. Diese sollen dann auf einem Sperrkonto (Vorsorgedepot) der Pensionsvorsorge (und Pflegevorsorge) gewidmet werden. Die gewählten Produkte sollten steuerlich gleich behandelt werden wie das derzeit bestehende Zukunftsvorsorgeprodukt. Die Wertpapier-KESt sollte für dieses Modell auf jeden Fall wegfallen (so sie nicht sowieso gekippt wird). Erst bei einer nicht-widmungsgemäßen Verwendung würde eine Nachversteuerung nötig werden. Für ein solches, nicht kapitalgarantiertes Pensionsvorsorgeprodukt wäre keine staatliche Prämie erforderlich. (eml)