Die Schweizer haben kürzlich darüber abgestimmt, ob das bestehende Buchgeld- in ein Vollgeld-System transformiert werden soll. Sie votierten dagegen – und das vermutlich aus gutem Grund, sagt Udo Rieder von der KSW Vermögensverwaltung. "Natürlich klingen die Vorteile eines Vollgeldsystems verlockend. Kritiker halten dem jedoch entgegen, dass die Verknappung der Geldmenge das Wirtschaftswachstum massiv bremsen könnte", sagt Rieder. 

Wenn den Banken ein beachtlicher Teil ihrer Geschäftsmöglichkeiten genommen würde, hätte das unvorhersehbare Folgen für das Gemeinwohl, erklärt der Vermögensverwalter. Zudem gebe es berechtigte Zweifel daran, ob Notenbanker und Politiker erfolgreich dafür sorgen könnten, die Geldschöpfung sinnvoll einzusetzen. "Man könnte diese Macht für politische Ziele missbrauchen", sagt Rieder.

Vollgeldsystem nur auf dem Papier
In den Verfassungen der meisten Länder ist verankert, dass das Monopol zur Geldschöpfung bei den Staaten oder deren Notenbanken liegt. Faktisch haben jedoch seit Jahrzehnten private Finanzinstitute diese Funktion übernommen. Nur noch ein Zehntel des aktuell umlaufenden Geldes wurde von den Notenbanken geschaffen und ist durch effektive Noten und Münzen – sogenanntes Vollgeld – gedeckt. 

Diese Deregulierung des Geldsystems sollte für mehr Wirtschaftswachstum sorgen. "Anfangs hat das auch funktioniert, doch mittlerweile hat sich das System verselbstständigt", sagt Rieder. Die oft unkontrollierte Kreditvergabe habe das Geldvolumen stark aufgebläht. Bei einem Vollgeldsystem müssten Bankeinlagen und -kredite im vollem Umfang bei der Nationalbank mit werthaltigen Sicherheiten unterlegt werden. Die Notenbanken als alleinige Herrscher über das Geldmengenwachstum sollen die Konjunkturzyklen besser steuern und glätten können. Auch diese Lösung berge jedoch die bereits genannten Risiken, so Rieder.