Die königliche Wissenschaftsakademie in Stockholm hat entschieden: Richard H. Thaler ist der diesjährige Preisträger der höchsten Auszeichnung auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften. Thaler gilt als einer der weltweit führenden Ökonomen auf dem Gebiet der Behavioral Finance und war auch als Präsidentenberater tätig.

Seine Arbeiten befassen sich mit psychologischen Aspekten von wirtschaftlichen Entscheidungen. Im Unterschied zur weitverbreiteten Theorie des "homo oeconomicus", die von ausschließlich rational handelnden Wirtschaftssubjekten ausgeht, lehrt die Verhaltensökonomie, dass sich Marktteilnehmer bei ihrer Entscheidungsfindung von anderen Dingen als ihrem Verstand, nämlich beispielweise von menschlichen Eigenschaften, Emotionen, Verhaltensweisen anderer Individuen und den herrschenden Marktbedingungen leiten lassen. 

Psychologie und Ökonomie miteinander versöhnt
Das Komitee begründete seine Entscheidung für Thaler damit, dass dieser ein Pionier der Verhaltensökonomie sei und den Preis für seinen Beitrag zum Verständnis der Psychologie in der Ökonomie erhalte. Thaler hat psychologisch realistische Annahmen in ökonomische Modelle integriert und es bewerkstelligt, dass die Verhaltensökonomie von einem Teilbereich der Wirtschaftswissenschaft zum Mainstream wurde. Er habe es damit geschafft, die Wirtschaftswissenschaften "menschlicher" zu machen, heißt es in der offiziellen Begründung der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften in Stockholm.

Vater des "Nudging"-Gedanken
Thalers Beiträge sind im Vergleich zu den Ausarbeitungen anderer Wirtschaftsforscher sehr praxisorientiert. So gilt der Professor als Ideengeber des "Nudging", also des sanften Anstupsens, damit Menschen und Unternehmen die richtige respektive gesamtgesellschaftlich wünschenswerte Entscheidung treffen – statt "falsches" Verhalten zu bestrafen. "Nudge" ist auch der Titel seinen 2008 erschienenen Buches, das Thaler große Bekanntheit brachte.

Eines der prominentesten Anwendungsbeispiele findet sich in der betrieblichen Altersvorsorge: Die "Opt-out-Regel", die in Großbritannien gang und gäbe ist, findet ihren Niederschlag in der deutschen Variante des neuen "Betriebsrentenstärkungsgesetzes" (BRSG): Indem alle Arbeitnehmer zunächst automatisch an einer Vorsorgeform teilnehmen und nur auf ausdrücklichen Wunsch hiervon ausgenommen werden, will man die Bürger zu mehr Altersvorsorge "anstupsen". Bei Nudges ist Thaler wichtig, dass diese Anstöße transparent erfolgen und die persönliche Freiheit der Wirtschaftssubjekte nicht einschränken. 

Asset Manager aus Passion
Thaler galt bereits seit einiger Zeit als potenzieller Preisträger. Neben seiner Lehrtätigkeit ist er auch noch Präsident der American Economic Association sowie Principal von "Fuller & Thaler Asset Management" – einer Investmentboutique, die US-Nebenwerte auf Basis eines Behavioral-Finance-Ansatzes managt. Interessantes Detail: Bei der Boutique ist auch Nobelpreisträger Daniel Kahnemann mit an Bord. Der von Fuller & Thaler Asset Management beratene Undiscovered Managers Behavioral Value Fund konnte seit 2009 eine doppelt so hohe Rendite wie der S&P 500 Index erzielen.

Wie Thaler in einer ersten Reaktion auf die Preisverleihung scherzhaft meinte, müsse er nun auf dem Golfplatz Eugene Fama – einer der namhaftesten Portfoliotheoretiker und Begründer des Begriffs "Markteffizienzhypothese" – nicht länger mit "Professor" anreden. Fama hatte die prestigeträchtigste Auszeichnung für Ökonomen bereits 2013 erhalten. Außerdem plane Thaler, das Preisgeld von immerhin 940.000 Euro entsprechend seiner Lehre möglichst "irrational" auszugeben. (kb/ps)