Ewald Nowotny, Gouverneur der Österreichischen Nationalbank (OeNB) und Ratsmitglied der EZB, hat mit seinen Aussagen zum derzeit sehr schwachen Dollar für Schlagzeilen gesorgt: In einem Interview mit der Wiener Zeitung sagte Nowotny, man sei erstaunt, "dass das US-Finanzministerium den US-Dollar bewusst drückt und niedrig halten will". Eine Begründung liefert Nowotny nicht, aber der Vorwurf ist schwerwiegend: Unter den führenden Industrienationen gilt die Regel, dass sich Wechselkurse nicht durch bewusste Manipulation sondern am Markt bilden sollen – nicht umsonst gelten etwaige Manipulationsvorwürfe bei G7- oder G20-Treffen stets als "heiße Kartoffel".

OeNB: Es waren "verbale Interventionen gemeint"
Gegenüber FONDS professionell ONLINE entschärft man in der OeNB die Aussage etwas. Es sei damit gemeint gewesen, dass führende US-Politiker mit ihren Äußerungen den Dollar "ständig hinunter reden". Nowotny habe damit auf "verbale Interventionen" Bezug genommen, sagte ein Sprecher.

US-Präsident Trump hatte im Vorjahr eine bis heute andauernde Talfahrt des US-Dollar eingeleitet, in dem er die Währung öffentlich als zu stark bezeichnete. Unter seinen Vorgängern war es üblich, dass sich der Präsident nicht daran beteiligt, den Dollar groß oder klein zu reden. Kürzlich hatte US-Finanzminister Steven Mnuchin die Abwärtsspirale noch einmal befeuert, weil er auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos einen günstigeren Dollar befürwortete.

Nowotny: "Erstaunt, dass niemand Trump positiv beeinflusst"
OeNB-Gouverneur Nowotny hielt auch sonst mit seiner Meinung zu Trump nicht hinter dem Berg. Auf die Frage, ob der US-Präsident mit seinem Regierungsstil eine Gefahr beziehungsweise ein Unsicherheitsfaktor für die internationale Finanz- und Wirtschaftswelt sei, antwortete Nowotny: "Ja, definitiv". Erstaunlich sei außerdem, "dass es im Umfeld von Donald Trump, wo es ja eine Reihe vernünftiger Menschen gibt, niemand geschafft hat, einen positiven Einfluss auf den Präsidenten und seine Politik zu haben".

Als Reaktion auf die aktuelle US-Administration müsse die EU "stärker zusammenrücken und ein Gegengewicht bilden". Allerdings sei die EU in vielen Bereichen gespalten, der Brexit forciere diese Spaltung zusätzlich. (eml)