Ein Interview mit der Presseagentur Reuters erweist sich für den Chef der österreichischen Notenbank Ewald Nowotny als Bumerang. Nowotny hatte in dem Gespräch unter anderem erklärt, die Europäische Zentralbank (EZB) werde ihr billionenschweres Anleihekaufprogramm wohl bis Jahresende auslaufen lassen. So werde sie den Weg bereiten für graduelle Zinsanhebungen, angefangen beim Einlagensatz. "Ich würde kein Problem damit haben, in einem ersten Schritt von minus 0,4 Prozent auf minus 0,2 Prozent zu gehen und dann als zweiten Schritt den Leitzins einzubeziehen", sagte Nowotny.

Die EZB war vom Vorpreschen des Österreichers alles Andere als begeistert und sah sich zu einer Klarstellung genötigt. Es handele sich bei Nowotnys Aussagen lediglich um persönliche Einschätzungen, erklärte ein EZB-Sprecher nach einem Bericht des Fernsehsenders N-TV. Diese Einschätzungen gäben ausdrücklich nicht die Sicht des Notenbankrats wieder. An den Märkten sorgte das Zurückrudern der EZB für Unruhe, der Euro unterbrach seinen Kursanstieg gegenüber dem US-Dollar.

Seiner Zeit voraus
Die EZB äußert sich üblicherweise nicht öffentlich zu den Interviews einzelner Gouverneure. Bislang hatte aber auch noch kein Ratsmitglied so detailliert etwas zu möglichen künftigen geldpolitischen Plänen oder Zinsschritten gesagt wie Nowotny gegenüber Reuters. Volkswirte rechnen damit, dass die EZB erst im Sommer über ihre weiteren Pläne für das Anleihekaufprogramm informieren wird. (fp)