Die Märkte schwankten zu Beginn dieses Jahres so stark wie lange nicht mehr. Viele Anleger wurden davon kalt erwischt. Eine hohe Volatilität gilt gemeinhin als Zeichen dafür, dass Investoren besorgt sind – und das gilt wiederum als schlecht für die Märkte. "Als konträre Anleger müssen wir dem widersprechen", sagt Pras Jeyanandhan, Analyst für europäische Aktien beim Fondsanbieter Syz Asset Management. "Volatilität bietet Anlagechancen, denn Panikphasen lösen häufig irrationale Verkaufswellen aus." Langfristige Anleger können Marktschwankungen gezielt nutzen.

Im vergangenen Jahr war es schwierig, abseitige Anlagethemen zu finden. Das synchrone Wachstum der Weltwirtschaft, die starken Unternehmensgewinne und die lockere Geldpolitik verschafften den Märkten auf breiter Front Rückenwind. "Angesichts der bemerkenswerten Ruhe der Aktienmärkte gegenüber Unsicherheitsfaktoren geopolitischer oder anderer Art kamen wir jedoch zu der Ansicht, dass Volatilität eine interessante konträre Idee sein könnte", erklärt Jeyanandhan. Syz AM begann deshalb, Positionen in Marktinfrastrukturaktien aufzubauen. Das Kalkül: Diese würden von einer steigenden Handelsaktivität profitieren, sobald die Volatilität wieder anzieht.

Besser zu früh als zu spät
Der sukzessive Abzug der Zentralbankliquidität dürfte die Märkte auf lange Sicht stärker schwanken lassen, ist der Aktienexperte überzeugt. "Wir bleiben zuversichtlich, dass sich dieses konträre Thema in den kommenden Jahren bestätigen wird." Dabei dürften sich gelegentliche Rückschläge nicht vermeiden lassen. "So waren wir beispielsweise mit einigen unserer Volatilitätsinvestments etwas zu früh dran", sagt Jeyanandhan. "Das belastete die Wertentwicklung im Jahr 2017." Fazit: Eine Wette auf die Volatilität kann sich lohnen, ist aber schwierig. (fp)