Diesmal scheinen sich beide Seiten einig zu sein: Die kapitalbedürftige Sparda-Bank Austria wird aller Voraussicht nach mit der Volksbank Wien (VB), dem Spitzeninstitut des heimischen Volksbankensektors, fusionieren. Die VB hat ihre Zustimmung bereits Anfang der Woche gegeben. Heute soll der Entschluss in der Sparda Austria fallen. Erst vor einem Monat war bekannt geworden, dass die bereits weit fortgeschrittenen Verhandlungen mit der Sparda-Bank Hessen über eine Teilübernahme abgeblasen wurden. FONDS professionell ONLINE berichtete.

"Vorstand und Aufsichtsrat der Sparda Austria tagen heute. Wir sind der Fusion mit der Volksbank Wien gegenüber positiv eingestellt", so Sparda-Aufsichtsratschef Jürgen Dumpelnik zu FONDS professionell ONLINE. Das Okay von Vorstand und Aufsichtsrat müsse am Ende noch von der Generalversammlung abgesegnet werden. Die tagt laut Dumpelnik am 27. März. "Spätestens dann sollte der Deal zumindest de jure in trockenen Tüchern sein", so Dumpelnik, der davon ausgeht, dass die GV den Entscheidungen der Gremien folgt.

Marke bleibt, Filialen werden weniger
Sparda Austria soll auch nach der Fusion als eigene Marke erhalten bleiben. Allerdings ist die Anzahl der Filialen nicht in Stein gemeißelt. "Es gibt noch den Restrukturierungsplan aus der Fusion von Sparda Nord (Linz) und Süd (Villach) aus dem Vorjahr. Der sieht 17 Sparda-Filialen vor und wird weiter verfolgt", so Dumpelnik. Derzeit findet man auf der Homepage 24 Standorte.

Wie sich die Filialanzahl im fusionierten Zustand entwickle, sei nicht abzuschätzen, beziehungsweise werde sie sich nach den Marktgegebenheiten richten: "Auf jeden Fall soll der Sparda-Filialbetrieb mit dem spezifischen Angebot und der Kundenstruktur erhalten bleiben", sagt Dumpelnik.

"Win-Win-Situation"
Der jüngst geplatzten Teilübernahme durch die Sparda-Bank Hessen weint man nicht nach. "Die Volksbank Wien ist ein hervorragender Partner. Es ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten", sagt Dumpelnik. Die VB Wien bekommt von der Sparda, die aus einer Genossenschaft für notleidende Eisenbahner kommt, rund 80.000 Privatkunden. Sparda-Austria kämpft ihrerseits mit der Kapitalbasis: Als Mitglied im Volksbanken-Haftungsverbund musste sie rund um die Zerschlagung des ehemaligen Spitzeninstituts ÖVAG millionenschwere Wertberichtigungen vornehmen.

Ebenfalls erhalten bleibt nach der Fusion die Sparda-Bank Austria Genossenschaft (eGen) als solche. Allerdings werde aufgrund des geringeren operativen Aufwands nach der Verschmelzung die Personenanzahl in Vorstand und Aufsichtsrat reduziert, so Dumpelnik.

Außerdem wandert der Sitz der Genossenschaft nach Villach: Im März 2016 waren die zwei eigenständigen Genossenschaften Sparda Austria Nord (Linz) und Süd (Villach) zur heutigen Genossenschaft verschmolzen worden. Formal hatte dabei Sparda Süd die Nord übernommen, Sitz wurde dennoch damals Linz. Die aus der Verschmelzung hervorgegangene Sparda Bank Austria eGen war dem Haftungsverbund beigetreten, der Voraussetzung des Finanzministers für die Rettung des in Schieflage geratenen damaligen Zentralinstituts ÖVAG war.

Die Bilanzsumme der Sparda-Bank Austria belief sich Ende 2015 auf rund 865 Millionen Euro (Nord- und Süd-Genossenschaft nach nach letzten verfügbaren Zahlen aus 2015 zusammengerechnet). (eml)