Im Jahr 2016 ist es nicht einem einzigen Konjunkturforscher gelungen, das deutsche Wirtschaftswachstum für 2017 richtig vorauszusagen, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Zwar hätten die Auguren einen soliden Aufschwung für das Jahr vorhergesehen – aber keinen so kräftigen: Um 2,2 Prozent hat das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts zugelegt, die am Donnerstag in Berlin veröffentlicht wurden. "So liegen die Konjunkturforscher von Wirtschaftsinstituten, Finanzinstituten und Banken mit ihren Prognosen aus dem Jahr 2016 daneben", schreibt die Zeitung.

Am nächsten sei die Bundesbank an den Wert von 2,2 Prozent herangekommen. In ihrem Monatsbericht vom Dezember 2016 schätzte diese das BIP-Wachstum auf 1,8 Prozent. Am weitesten entfernt lag das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Ein bescheidenes Wachstum von einem Prozent hatten die Kölner Ökonomen für die deutsche Wirtschaft Ende 2016 vorhergesagt. Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel erwartete 1,7 Prozent Wachstum, das Ifo-Institut in München ging von 1,5 Prozent aus.

Nicht vor Irrtümern gefeit
"Hochmut schadet dem Ruf", kommentiert die FAZ das kollektive Versagen der Wirtschaftsexperten. "Wenn auch die Bundesbank mit der Prognose zum BIP am nächsten an dem vom Statistischen Bundesamt genannten Wert von 2,2 Prozent lag – vor Irrtümern ist sie nicht gefeit", heißt es. Weder habe bisher – wie von der Notenbank vorhergesagt – die Beschäftigung wegen der demografischen Entwicklung an Dynamik verloren, noch führten steigende Energiepreise dazu, dass der private Konsum an Fahrt verliere.

Die düpierten Wirtschaftsprognostiker befinden sich übrigens in schlechter Gesellschaft. Auch wenn es sie wohl  kaum tröstet: Die Vorhersagen diverser Banken, Fondsgesellschaften und Versicherungen zur bevorstehenden Dax-Entwicklung gleichen bei Licht betrachtet ebenfalls eher einem Ratespiel als einer fundierten Vorhersage. (fp/ps)