Sofern Peter E. Huber, Vorstand und Lead Portfoliomanager von Starcapital, mit seiner bearishen Prognose Recht bekommt, könnten viele Marktteilnehmer ein ernsthaftes Problem bekommen. Seiner Ansicht nach sitzen die Notenbanken in der Zins- und Schuldenfalle. Denn die Schuldendynamik sei nach wie vor ungebrochen, was für sich betrachtet zunächst einmal kein Problem wäre, wenn sich die Phase rekordtiefer Zinsen nicht dem Ende zuneigen würde. Vor allem die immer höher werdenden Schuldenberge machen Huber Sorgen:

Was für verheerende Folgen ein Zinsanstieg haben kann, sehe man am besten in Japan, wo die Staatsverschuldung inzwischen auf 200 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung gestiegen ist. "Auch der neue Staatshaushalt sieht wieder Rekordausgaben in Höhe von 744 Milliarden Euro vor, die zu 34,5 Prozent mit neuen Schulden finanziert werden müssen", rechnet Huber vor. Obwohl das Land seit fast zwanzig Jahren quasi eine Nullzinspolitik betreibt, gehe fast ein Viertel der Staatsausgaben für den Schuldendienst drauf. "Man kann sich vorstellten, was passieren würde, wenn die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen nur von derzeit null auf zwei Prozent ansteigen würden."

Fed sorgt für brandgefährliche Gemengelage
So hat die US-Notenbank bereits mehrfach die Fed-Funds-Rate erhöht und weitere Zinsschritte nach oben angekündigt. Außerdem entzieht die Fed dem Markt durch das Ausbleiben von weiteren Staatsanleihekäufen Liquidität. Diese Gemengelage sei laut Peter E. Huber brandgefährlich.

Das Schuldenproblem ließe sich seiner Einschätzung nach nur über eine Finanzrepression in den Griff bekomme, wenn also die Zinsen unter der Inflationsrate blieben und dadurch der reale Wert der Schulden sinke. Ein schönes Beispiel sei Deutschland, wo die Inflationsrate im März von 1,4 auf 1,6 Prozent anstieg, während die Rendite zweijähriger Bundesanleihen bei minus 0,625 Prozent verharrte und dadurch die reale Schuldenlast jährlich um zwei Prozent sinkt.

USA stehen vor vielen Problemen
Die Oberurseler Investmentexperten sehen die USA vor einer prekären Situation. Erstmals seit längerem rentieren T-Bonds mit einer Restlaufzeit von zwei Jahren mit 2,27 Prozent und liegen damit über der Inflationsrate von 2,2 Prozent. Verschärft werde die Situation dadurch, dass die Staatsverschuldung durch neue Zwillingsdefizite aufgrund von Steuersenkungen und Infrastrukturprogrammen weiter steigen wird. Zum anderen seien durch einen Zinsanstieg zahlreiche "Zombieunternehmen“ in ihrer Existenz gefährdet. "Das sind Firmen, deren Geschäftsmodell nicht tragfähig ist und die sich nur durch die niedrigen Kosten für ihren Schuldendienst noch über Wasser halten können", erklärt Huber. Dass die Marktteilnehmer dies richtig einordneten, sehe man unter anderem daran, dass sich die Zinsstrukturkurve abflacht und die Konjunkturerwartungen zurückgehen

Ein Ausweg aus dieser systemischen Krise könnte darin bestehen, dass die Zentralbanken gegenüber den Staaten auf die Tilgung der Anleihen und auf Zinszahlungen größtenteils verzichten beziehungsweise die Anleihenlaufzeiten in Richtung Ewigkeit strecken. Dies würde jedoch das Vertrauen in die Kaufkraft des Geldes untergraben und einer inflationären Entwicklung Vorschub leisten.

Bitcoin droht regulatorischer Tod
Vor diesem Hintergrund sei die erstaunliche Entwicklung der Kryptowährungen vielleicht doch rational erklärbar. "Während Zentralbanken quasi per Knopfdruck ihr Giralgeld um Billionenbeträge beliebig vermehren können, erfordern Bitcoin & Co wenigstens einen gewissen Aufwand bei der Herstellung – und sie sind nicht beliebig vermehrbar", führt Huber aus. 

Insofern sei der Siegeszug der Kryptowährungen eine Ohrfeige für das bisheriges Finanzsystem. "Deshalb dürfte das Imperium über kurz oder lang zurückschlagen. Es wäre nicht die erste Innovation, die von unseren Institutionen erfolgreich 'zu Tode reguliert' wird."

Aktien langfristig interessant
Die restriktivere US-Notenbankpolitik, gepaart mit einem eskalierenden Handelskrieg, berge aus Sicht Hubers kurz- und mittelfristig durchaus die Gefahr nachlassender Konjunkturerwartungen und weiterer Börsenkorrekturen. Dies stehe jedoch in keinem Verhältnis zu dem enormen langfristigen Kurspotential der Aktienmärkte. Deshalb werden die Portfoliomanager von Starcapital nicht zu defensiv agieren und gemäß ihrer antizyklischen Investmentstrategie Korrekturen für Zukäufe nutzen. (aa)