Starcapital-Gründer Peter E. Huber hat in seiner langen, erfolgreichen Investorenkarriere eine Vielzahl an Höhen und Tiefen an den Kapitalmärkten hautnah miterlebt – und eine wichtige Konsequenz für sich gezogen: Wer bemüht ist, stets billig zu kaufen und teuer zu verkaufen, muss zwangsläufig scheitern. Weshalb Timingaspekte bei der Aktienanlage eher zu vernachlässigen sind, erklärt Huber in der aktuellen Ausgabe seines Kommentars. (ps)


Als Investor hätte man am liebsten maximale Erträge bei minimalem Risiko. Dieses Minimax-Prinzip wird aber regelmäßig ad absurdum geführt und wohl ewig ein Wunschtraum bleiben. Als wir Mitte 2000 den internationalen Aktienfonds Starpoint aufgelegt haben – übrigens im Nachhinein betrachtet zu einem völlig falschen Zeitpunkt – mussten wir uns deshalb entscheiden: Wollten wir aktienähnliche Wertzuwächse bei deutlich reduziertem Risiko erzielen oder überdurchschnittliche Gewinne bei normalem Aktienmarktrisiko. Wir entschieden uns für die überdurchschnittlichen Gewinne. Dies hatte mehrere Ursachen:

1. Kursschwankungen sind eine ganz normale Begleiterscheinung der Börsenentwicklung. Selbst die stärksten Kursrückgänge haben sich im Nachhinein immer als temporär erwiesen und wurden früher oder später wieder aufgeholt. Sie stellen deshalb bei einer langfristigen Anlage und einem gut diversifizierten Portfolio eigentlich kein Risiko dar. Zumindest, wenn man wie wir Risiko als die Gefahr nachhaltiger, substanzieller und endgültiger Vermögensverluste ansieht.

2. Wirtschafts- und Börsenkrisen lassen sich in der Regel nicht vorhersehen. Ansonsten könnte man sie ja vermeiden. Auch wenn man hinterher oft der Meinung ist, dass es ja fast zwangsläufig so kommen musste. In der "Behavioral Finance“-Fachsprache nennt man dieses Phänomen "Hindsight Bias“. Aber Kurseinbrüche lassen sich natürlich wunderbar nutzen, um Aktien auf niedrigem Niveau günstig nachzukaufen.

3. Wer Volatilität beschneiden will, sieht sich gezwungen, in schwachen Börsenphasen Aktien zu verkaufen, um sich vor weiteren Kursverlusten zu schützen. Diese prozyklische Handlungsweise führt erfahrungsgemäß oft zu deutlich unterdurchschnittlichen Anlageergebnissen.

4. Für die meisten Investoren, die nicht von Regularien eingeschränkt werden, sind ex post nur die erzielten Anlageergebnisse von Bedeutung und nicht, ob sie mit etwas mehr oder weniger Volatilität erzielt wurden. Insofern misst sich auch die Qualität eines Fondsmanagements schwerpunktmäßig an dem erreichten Wertzuwachs.

Anleger neigen eher dazu, in Euphoriephasen zu kaufen und in Paniksituationen zu verkaufen. Diese prozyklische Handlungsweise führt zu äußerst unbefriedigenden Anlageergebnissen. Von individuellen Timingversuchen ist daher abzuraten. Sir John Templeton meinte denn auch einmal, man sollte Aktien kaufen, wenn man Geld für eine langfristige Anlage zur Verfügung hat – unabhängig von der jeweiligen Marktlage. Das Timingrisiko lässt sich übrigens deutlich reduzieren, wenn man seine Käufe über einen längeren Zeitraum streut und die Einstiegszeitpunkte am besten vorher festlegt.

Ob wir derzeit einen guten Zeitpunkt zum Erwerb von Aktien haben, ist schwer zu sagen. Einerseits hält die Aufwärtsphase bereits seit neun Jahren an und befindet sich in einem reifen Stadium. Andererseits sind viele Märkte in Europa und Asien immer noch fair bewertet. Die Anleger sind angesichts der krisenhaften Weltlage eher verunsichert und es ist noch viel Liquidität an der Seitenlinie geparkt.