Den Österreichern wird gern vorgeworfen, sie seien eine Sparbuchnation. Warum das so ist, dafür liefert eine Markit-Umfrage im Auftrag der Wiener Börse einen Hinweis: Fehlende Finanz-Bildung hält die Menschen von Investments in Wertpapieren ab.

83 Prozent der Befragten sagen, Geld in Aktien zu investieren mache nur Sinn, wenn man sich in Finanzfragen gut auskennt. Aber nur acht Prozent der Österreicher schätzen ihre eigenen Kenntnisse dahingehend als sehr gut ein. Mehr als zwei Drittel der Befragten finden es schwierig, grundsätzlich die für sie passenden Finanzprodukte zu finden.

Durch das konservative Anlageverhalten würden die Bürger die wenigen verbliebenen Rendite-Gelegenheiten liegenlassen, sagt Christoph Boschan, Chef der Börse Wien. "Österreicher verpassen Chancen und können sich nicht ausreichend schützen. Wirtschaftsbildung gehört in alle Lehrpläne der unterschiedlichen Schultypen und sollte auch im Klassenzimmer in ausreichendem Umfang unterrichtet werden", so Boschan.

"Klein- und Normalverdiener sollen in Aktien gehen"
Handlungsbedarf sieht er auch deshalb, weil nur rund ein Viertel der Befragten glauben, dass Aktien für Menschen mit weniger Geld ebenso eine geeignete Anlagelösung sind. "Auch Bürger mit geringem Einkommen sollen die Chancen, die die Veranlagung in Aktien bieten, für sich nützen können. Hier brauchen sie Unterstützung, da sie Konsumverzicht für Vermögensaufbau leisten", so Boschan. Sein Vorschlag: Eine Befreiung von der Kapitalertragssteuer für Einkommensbezieher bis 60.000 Euro beziehungsweise die Wiedereinführung des KESt-Entfalls für langfristige Investment. Dies wären "geeignete und schnell umzusetzende Maßnahmen", um die persönliche Vorsorge zu fördern.

"Aktien sind aktuell eine der wenigen Möglichkeiten, Ersparnisse gewinnbringend anzulegen. Dafür sprechen klare Zahlen", sagt Boschan. Gemeint ist, dass Leitindizes wie ATX oder Dax und andere auf lange Zeiträume gerechnet gute Perfomances liefern. Gerade Durchschnittshaushalte profitieren davon häufig aber nicht, weil sie aus Angst, das Falsche zu machen, nicht einsteigen. "Bildung ist der beste Anlegerschutz. Sie ist die Grundlage für einen mündigen Umgang mit dem eigenen Geld und der eigenen Vorsorge", so Boschan.

Förderung von Mitarbeiterstiftungen
Eine weitere Forderung an die Politik ist, dass sie die Einrichtung von Mitarbeiterstiftungen fördern soll. Die Mitarbeiter profitieren durch die Rendite, das Unternehmen wiederum kann seine Mannschaft enger an sich binden und stellt darüber hinaus einen starken österreichischen Kernaktionär sicher, der wiederum den Standort stärkt, so Boschan. (eml)