Die FMA hat heute ein Rundschreiben veröffentlicht, in dem detailiert festgelegt wird, welche Qualifikationen Personen mitbringen müssen, die für Finanzinstitute als Wertpapierberater tätig werden wollen. Die Anforderungen müssen mit Inkrafttreten des WAG 2018 ab 3. Jänner 2018 erfüllt werden. Sie wurden unter dem Titel "Kriterien zur Beurteilung von Kenntnissen und Kompetenzen von Anlageberatern und Personen, die Informationen zu Anlageprodukten erteilen" publiziert.

Neben einem umfassenden Produktverständnis setzt das Rundschreiben für Wertpapierberater auch breiteres Wissen etwa über Marktkenntnisse sowie Verständnis wirtschaftlicher Kennzahlen voraus, schreibt die FMA. Dazu haben Wertpapierberater eine einschlägige Ausbildung und entsprechende Berufserfahrung nachzuweisen.

Weiterbildung als Kernpunkt
Ebenso ist eine kontinuierliche Weiterbildung der Wertpapierberater sicherzustellen: Es müssen jährlich zumindest 15 Stunden Fortbildung absolviert werden, um das Wissen auf dem neuesten Stand zu halten. Das FMA-Rundschreiben setzt gleichzeitig die Mifid-II-Anforderungen an die Qualifikationen von Wertpapierberatern um.

"Auf den ersten Blick wird es zwar mühsamer, die Berufsqualifikation zu erwerben respektive zu erhalten; die Vielzahl der Gerichtsverfahren wegen behaupteter Fehlberatungen durch Mitarbeiter von Banken und Wertpapierfirmen zeigt freilich, dass Ausbildung und Sorgfalt bei der Beratung die Gefahr, geklagt zu werden, erheblich reduzieren kann", sagt Rechtsanwalt Ernst Brandl von Brandl & Talos Rechtsanwälte.

Brandl & Talos betreut unter anderem Vorstände und Geschäftsführer, die durch die "Fit & Proper“-Schulungen" der FMA müssen. Die Kanzlei habe heuer über diese Schulungen hinaus auch ihr Angebot der Ausbildung von Mitarbeitern ausgebaut, so Kapitalmarktexpertin Kerstin Liebl.

Brandl hebt unter den neuen Anforderungen folgende Punkte als wesentlich hervor:

  • Es sind berufliche Schulungen (durch den Rechtsträger oder eine externe Stelle) von jährlich mindestens 15 Stunden (à 60 Minuten) zu absolvieren.
  • Das Erreichen von Lernzielen muss durch positives Ablegen einer Prüfung nachweisbar sein.
  • Ob ein Rechtsträger einem Mitarbeiter Vorqualifikationen anrechnen darf, muss der Rechtsträger evaluieren. Bei Bedarf muss der Mitarbeiter fehlende Kenntnisse noch erwerben.
  • Ein Mitarbeiter muss durch seine vorherige Tätigkeit nachweisen (praktische Erfahrung), dass er in der Lage ist, die WP-Dienstleistung zu erbringen. Das bedeutet, dass er diese Tätigkeit bereits mindestens über einen Zeitraum von 6 Monaten (Vollzeitäquivalent) erbracht hat.
  • Kann ein Mitarbeiter die entsprechende praktische Erfahrung nicht vorweisen, darf er WP-Dienstleistungen nur unter Aufsicht erbringen; die Zeitdauer der Aufsicht ist auf zwei Jahre begrenzt. Danach muss der Mitarbeiter die Qualifikation erlangt haben. (eml)