Europas Geldpolitik und die Bankenregulierung – beides originäre Aufgaben der Zentralbank –sind voller Widersprüche. Das schreiben die Analysten von M.M.Warburg in ihrem aktuellen Konjunkturbericht. Der Grund: Auf der einen Seite möchten die Aufseher die Geldhäuser über einen negativen Einlagenzinssatz zwingen, mehr Kredite zu vergeben. Auf der anderen Seite machen sie es den Instituten über Regulierungseingriffe und Eigenkapitalanforderungen fast unmöglich, diese Kredite zu vergeben. 

Im Ergebnis führt die schizophrene Natur der europäischen Geldpolitik zwangsläufig zu sinkenden Bankgewinnen und damit zu einer schwächeren Eigenkapitalvorsorge. "Dadurch begibt sich die gesamte Bankwirtschaft in eine Negativspirale, von der keiner profitiert", schreiben die Analysten. Dass es auch anders geht, zeige das Beispiel USA. Während die europäische Wirtschaft unter dem schwachen Bankensektor leidet, strotzen US-Banken nur so vor Kraft. Die US-Wirtschaft profitiert massiv von dieser Entwicklung. 

Banken brauchen einen Puffer für schlechte Zeiten
"Die Entwicklung in Europa ist gefährlich und wird sich spätestens in der nächsten Rezession bitter rächen", schreiben die Analysten. Denn Banken brauchen gerade in schlechten Zeiten einen Puffer, um weiterhin Kredite vergeben zu können. Dieser Puffer konnte sich aber nie aufbauen, sodass in der nächsten großen Krise mit einem dramatischen Einbruch der Kreditvergabe zu rechnen ist. "Ironie der Geschichte ist dabei die, dass die Notenbank in dieser Situation noch nicht einmal mit niedrigen Zinsen gegensteuern kann", schreiben die Analysten. Denn diese sind bereits auf historischem Tiefststand. (fp)