Der Beruf des Analysten scheint zum Auslaufmodell zu werden. Ursache ist die aktuelle Kostendebatte, hervorgerufen wiederum durch das Regelwerk Mifid II. Doch komplett ohne die Detailarbeit der Researchabteilungen dürften die Anlegaentscheidungen künftig kaum besser werden, meint die Privatbank M.M.Warburg.

Von Zeit zu Zeit gehe es an den Finanzmärkten scheinbar chaotisch zu. Langfristig sind aber Fundamentaldaten maßgeblich für die Entwicklungen an den Börsen, betonen die Analysten von M.M.Warburg. An den Märkten werden Erwartungen gehandelt – und die sind immer auch ein Resultat der fundamentalen wirtschaftlichen Entwicklung von Staaten, Branchen und Unternehmen. "Kurzfristige Schwankungen an den Märkten spiegeln nur die Unsicherheit bezüglich der zukünftigen fundamentalen Entwicklung wider und sind kein Beweis dafür, dass sich Märkte losgelöst von fundamentalen Daten bewegen", betonen die Experten der Privatbank.

Es ist sinnvoll, die taktische Allokation an Fundamentaldaten zu koppeln. Asset Manager legen deshalb in der Regel großen Wert auf die Analyse von Konjunkturdaten. Auch M.M.Warburg betreibt einen vergleichsweise hohen Aufwand, um Konjunkturzyklen zu verstehen und Wendepunkte zu antizipieren. Es gebe grundsätzlich viele Möglichkeiten, fundamentale, marktrelevante Daten wie etwa Unternehmenszahlen zu analysieren. Es ist allerdings nicht leicht, Unternehmensdaten so zu aggregieren, dass man sie für die taktische Allokation nutzen kann.

Unternehmensdaten laufen den Märkten voraus
Die Analysten von M.M.Warburg haben für jedes Unternehmen in den Aktienindizes S&P 500 und Stoxx 600 für jeden Monat seit Anfang 2003 überprüft, wie weit Unternehmenskennzahlen wie der Gewinn je Aktie oder die Eigenkapitalrendite ober- oder unterhalb ihres jeweiligen Trends liegen. Hypothese war, dass eine Aggregation dieser Daten Informationen darüber liefert, wie es der Wirtschaft insgesamt geht. Schließlich ist es unwahrscheinlich, dass sich die Kennzahlen aller Unternehmen plötzlich rein zufällig ähnlich entwickeln.

Es zeigte sich, dass die aggregierten Unternehmensdaten in Europa ein guter Indikator für die Wirtschaftsentwicklung sind. Sie zeigten zum Beispiel bereits im Jahr 2007 an, dass fundamental dunkle Wolken aufzogen. Ähnliches galt für das Euro-Schuldenkrisenjahr 2011: Die aggregierten Unternehmensdaten deuteten schon im Frühjahr darauf hin, dass fundamental auf Firmenebene Probleme entstanden.

Sie wären also ein gutes Ausstiegssignal vor dem sommerlichen Aktiencrash gewesen. Allerdings lieferte das Modell teilweise auch Fehlsignale. Die Daten verschlechterten sich etwa zwischen Ende 2012 und Herbst 2014, obwohl der Aktienmarkt in dieser Zeit deutlich zulegte. (fp)