Anleger sollten vorsichtig sein, wenn sie in Großbritannien investieren, und dabei sehr selektiv vorgehen. Das erklärt die Hamburger Privatbank M.M. Warburg. Denn die Wirtschaft des Vereinigten Königreichs sei schon vor dem Brexit im Niedergang: "Die Reallöhne sind zuletzt spürbar zurückgegangen, und Großbritanniens Verbraucher leben über ihre Verhältnisse", heißt es dazu. Insgesamt beträgt die Verschuldung der privaten Haushalte mehr als 150 Prozent des verfügbaren Einkommens, was im internationalen Vergleich einen sehr hohen Wert darstellt. In Deutschland liegt die Verschuldung der privaten Haushalte nur bei rund 90 Prozent des verfügbaren Einkommens.

Noch vor wenigen Tagen versprach Boris Johnson, Großbritanniens Außenminister, dem Land eine "glorreiche" Zukunft nach dem Brexit. "Auch wenn keiner die Zukunft wirklich vorhersehen kann, muss schon viel Fantasie aufgebracht werden, um diese Meinung zu teilen", warnt M.M. Warburg. Die Verschuldung der Haushalte könne zu einem Anstieg der Privatinsolvenzen führen, sofern die britische Notenbank die Zinsen künftig weiter anhebt. "Eine Krise im Vereinigten Königreich ist nicht auszuschließen", erklären die Analysten der Privatbank. Aufgrund des begrenzten Anteils am Welt-Bruttoinlandsprodukt von rund drei Prozent werde sich indes kein Kollaps der Weltwirtschaft ergeben.

Investoren sollten vorsichtig sein
Sowohl die Gewinne der britischen Unternehmen könnten aufgrund der Investitionszurückhaltung unter Druck kommen, als auch die Finanzstabilität der Volkswirtschaft eines Tages in Gefahr geraten, erwarten die M.M.Warburg-Analysten. Zudem rechnen sie trotz der bevorstehenden Zinserhöhung mit einer weiteren Abschwächung beim Britischen Pfund. Anleger sollten deshalb mit höchster Vorsicht agieren und genau hinschauen, wenn sie in Großbritannien investieren. (fp)