Mit rund einer Milliarde Argumenten versucht die Deutsche Bank im Rahmen von Mifid II neue Geschäftsfelder zu erschließen. Gelingen soll das, indem die Bank per 3. Januar 2018 – also zeitgleich mit dem Start des umfangreichen Regelwerrks – eine neue Handelsplattform aufstellt, mit deren Hilfe die Bank ihren Kunden die Verantwortung für das Sammeln und Berichten von Transaktions-Daten – zunächst beim Handel mit Anleihen – abnimmt.

Zum Hintergrund: Unter Mifid II gilt die Vorhandelstransparenz für alle Geschäfte, die über ein "Organisiertes Handelssystem" ("Organised trading facility" – kurz: OTF) abgewickelt werden. Neben dem geregelten Markt (regulated market – RM) und multilaterale Handelssystemen (multilateral trading facility – MTF) tritt das OTF als dritte Kategorie eines multilateralen Systems in Kraft, das die Interessen einer Vielzahl Dritter am Kauf und Verkauf von Finanzinstrumenten innerhalb des Systems in einer Weise zusammenführt, die zu einem Vertrag führt. Neben Aktien sind insbesondere Anleihen, Derivate und strukturierte Produkte mit Preisenangaben und Volumina der Handelsaufträge zu veröffentlichen. Geschätzt wird, dass das Sammeln aller Daten Vermögensverwalter insgesamt rund eine Milliarde Euro pro Jahr kostet.

Klare Kampfansage
Hier will Deutsche in die Bresche springen und eine sogenannte SI-Plattform (Systematische Internalisierung) anbieten, die genau diesen Prozess übernimmt, inklusive der damit entstehenden Haftung und juristischen Verantwortung.

Das geschieht natürlich nicht aus Nächstenliebe, sondern aus geschäftsstrategischen Gründen: "Indem wir früh eine Lösung in diesem Bereich anbieten befreien wir unsere Kunden von den Herausforderungen, das neue Regelwerk zu erfüllen, wenn sie ihre Geschäfte über Deutsche Bank abwickeln", wie Mario Muth, Chef der Fixed Income Abteilung, gegenüber Bloomberg erklärt. In einem zweiten Schritt will das Institut SI-Lösungen auch für den Aktienhandel anbieten und damit direkt gegen Konkurrenten wie JPMorgan Chase in den Ring steigen. (hw)