Die Profitabilität im heimischen Private Banking hat sich in den vergangenen Jahren erneut dramatisch abgeschwächt. Das zeigt eine Untersuchung der Strategie- und Managementberatung zeb. Zwischen 2013 und 2017 ist die Profitmarge von ohnehin sehr tiefen sieben Basispunkten (Bp) auf drei Bp gesunken. Die Ertragsmarge (Verhältnis zwischen Ertrag und durchschnittlichem verwaltetem Vermögen) ist um satte zehn Basispunkte auf 38 Bp gefallen.

Die Ertragsschwäche wird besonders im internationalen Vergleich deutlich. Das Deutsche Private Banking, das es auch nicht leicht hat, weist eine deutlich höhere Ertragsmarge von 50 Basispunkten auf (davor 70). Wenngleich auch hier ein drastischer Schwund bei der Gewinnmarge von zwölf auf vier Bp stattgefunden hat (siehe Klickstrecke oben). In der Schweiz waren die Verhältnisse noch am stabilsten. Die Ertragsmarge ist von 84 auf 80 Bp vergleichsweise gering gesunken. Die Gewinnspanne ist von 20 auf 21 Bp sogar leicht gestiegen. Die Schweizer Private Banker schafften demnach auch als einzige eine Verbesserung bei der Cost-Income-Ratio von 76 Prozent auf  73 Prozent. In Österreich ist sie von 86 auf 92 Prozent deutlich gestiegen; ebenso wie in Deutschland von 83 auf 91 Prozent.

Kunden vergleichen mehr und wollen Rabatte
Die regulatorischen Vorgaben haben die Kostentransparenz in den vergangenen Jahren deutlich erhöht, so dass Kunden verschiedene Angebote besser vergleichen konnten. Die Gewährung einer Vielzahl von Rabattierungen und Sonderkonditionen, die mittlerweile besonders in Österreich üblich geworden sind, gelte es künftig einzudämmen, schreiben die Studienautoren.

Einen Ausweg sehen die Experten auch darin, dass die Institute ihre Betreuungsnischen besser nutzen und sich mehr an den tatsächlichen Bedürfnissen ihrer Kunden orientieren. Die Häuser seien kaum unterscheidbar, weil Kundensegmentierung hauptsächlich nach verwaltetem Vermögen vorgenommen wird. "Segmentierung als mögliches Differenzierungsmerkmal gegenüber Wettbewerbern ist noch weitgehend ungenutzt", heißt es.

Junge Erben
Gleichzeitig müsse man sich besser auf die junge Generation der Erben einstellen. 2010 wurden acht Milliarden Euro vererbt, zehn Jahre später werden es rund 13 Milliarden sein. Leistungsversprechen müssten für jüngere Zielgruppen attraktiver und digitaler gestaltet werden. Es sei ein "strikt auf die Kundenbedürfnisse ausgerichtetes Geschäftsmodell nötig, das den persönlichen Kontakt über den Relationship-Manager zunehmend digital auflädt", lautet die Zusammenfassung.

Grundsätzlich steigt der Bedarf an Private Banking deutlich. Die Größe und das Wachstumspotenzial des österreichischen Private-Banking-Marktes würden häufig unterschätzt, schreiben die Analysten.

Wachsender Bedarf
"Dem Wealth-Management-Segment, das sich in Österreich durch ein liquides Vermögen ab drei Millionen Euro auszeichnet und 2017 mit etwa 7.200 Privathaushalten vertreten war, prognostizieren wir auf Basis der erwarteten Vermögensentwicklung bis 2022 ein überproportionales Wachstum von drei bis fünf Prozent jährlich", heißt es. Das Segment Private Banking, in das Kunden mit einem liquiden Vermögen zwischen 500.000 Euro und drei Millionen Euro eingeordnet werden (ca. 63.000 Haushalte), soll bis 2022 zwischen einem und drei Prozent jährlich wachsen. Ebenso wie die Wohlhabenden Kunden ("Affluent"- Segment) mit einem liquiden Vermögen zwischen 300.000 und 500.000 (über 80.000 Haushalte). Im Retailbanking wird hingegen maximal ein Vermögenszuwachs um ein Prozent prognostiziert. (eml)