Aktien sind mittlerweile hoch bewertet, bonitätsstarke Anleihen bringen schon lange keine auskömmlichen Erträge mehr. Anleger sollten in diesem Umfeld die traditionelle Vermögensallokation überdenken, rät Hubert Keller, CEO von Lombard Odier Investment Managers (IM). Beim klassischen Core-Satellite-Ansatz, der solide Kerninvestments mit riskanteren, aber auch potenziell renditestärkeren Beimischungen kombiniert, sollten "Core" und "Satellite" neu definiert werden.

In der Vergangenheit erfüllten Anleihen vier Grundfunktionen: Einkommensgenerierung, Kapitalschutz, Diversifizierung und Liquidität. Aktien fungierten vor allem als Renditebringer. "Heute ist die Ertragskraft von Anleihen jedoch nahezu null", sagt Keller. Darüber hinaus zeichnen sich in Teilen des Rentenmarktes Liquiditätsengpässe ab. Und: Wegen der historisch tiefen Zinsen bieten Anleihen nicht einmal mehr Schutz in Bärenmärkten. Auf der anderen Seite ist die Ertragskraft von Aktien angesichts der hohen Bewertungen mittlerweile begrenzt.

Liquidität ist Trumpf
Als Kerninvestment sollten Anleger Werte mit einer möglichst stabilen Performance wählen, rät der Vermögensprofi. Das können unter anderem Anleihen sein, die man bis zur Endfälligkeit hält. "Diese Strategie immunisiert gegen ein mögliches Verlustrisiko, wenn die Zinssätze steigen", erklärt Keller. Um ihre Renditechancen zu steigern, können Investoren daneben etwa auf Emerging-Markets-Werte setzen, sowohl auf Aktien als auch auf Staats- oder Wandelanleihen. Das Wichtigste ist eine breite Diversifizierung, betont Keller. Bei den Kerninvestments sollten Investoren unbedingt auf eine hohe Liquidität achten. Die "Satelliten" sind nämlich oft nicht sonderlich liquide. (fp)