Finanzminister Hartwig Löger will Inhaberaktien österreichischer Unternehmen wieder zum Handel im Dritten Markt zulassen. Mit dieser Ankündigung sorgt er für Jubel bei Kapitalmarktbeobachtern, die seit Jahren eine Lösung des Problems fordern: Österreichischen Unternehmen ist derzeit der Zugang zum weniger streng regulierten Dritten Markt, der als Einstiegssegment an der Börse gilt, verwehrt, während ausländische Unternehmen hier sehr wohl teilnehmen können.

Das Konzept, das das Finanzministerium gemeinsam mit dem Justizministerium erarbeitet hat, soll bereits in den nächsten Monaten umgesetzt werden. "Die Beschlussfassung im Parlament ist für kommenden Herbst geplant", sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums gegenüber FONDS professionell ONLINE.

"Österreich kehrt wieder zum europäischen Normalzustand zurück", freut sich Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse. Jüngere Unternehmen würden damit ein Angebot an der Börse finden und im Heimatland gehalten werden. "Wer Start-up sagt, muss auch Börse sagen," so Boschan, der konkrete Nachfragen einiger österreichischer Unternehmen auf dem Tisch liegen hat. Die Wiener Börse sei mit entsprechenden Angeboten "bereits in den Startlöchern".

Ausländische Unternehmen aktiv
Dass dieses Segment attraktiv sei, würden die internationale Neuzugänge zeigen, so Boschan: "Alleine 2017 kamen sieben Unternehmen mit Sitz außerhalb Österreichs aus eigener Initiative auf den Kurszettel der Wiener Börse". Österreichische Small Caps hingegen haben diese Option de fakto nicht mehr.

Schuld ist das Gesellschaftsrechtsänderungsgesetz 2011 (GesRÄG 2011), das eine verpflichtende Umstellung von Inhaber- auf Namensaktien für alle Aktiengesellschaften fordert, die nicht am geregelten Markt teilnehmen. Für den geregelten Markt sind aufwändige Erfordernisse wie ad-hoc Pflichten, Prospektpflicht oder eine Rechnungslegung nach IFRS-Standard nötig, was für kleinere Unternehmen zu aufwändig wäre. Der Dritte Markt ist ein ungeregelter Markt, den die Wiener Börse als multilaterales Handelssystem betreibt (MTF). Hier können Wertpapiere gehandelt werden, die nicht zum amtlichen Handel zugelassen sind, der eben die sehr strengen Zulassungsvoraussetzungen und Veröffentlichungspflichten erfordern würde.

Namens- versus Inhaberaktien
Namensaktien tragen den Namen des Aktionärs (eingetragen im Aktienbuch). Inhaberaktien können hingegen anonym übertragen werden, die Identität des Inhabers ist schwer feststellbar. In einer Wifo-Studie wird das Problem so skizziert: "Es kann derzeit nicht sichergestellt werden, dass das bei Namensaktien verpflichtend zu führende Aktionärsbuch zeitgerecht befüllt wird. Der fehlende Eintrag führt dazu, dass Dividenden nicht an den Aktionär ausgeschüttet werden können. Die Tatsache, dass Einsteiger- bzw. Small-Cap Börsen primär als MTF organisiert sind, führt in Österreich zum Problem, dass derzeit keine neuen Notierungen am MTF der Wiener Börse möglich sind. Dies betrifft sowohl den Dritten Markt als auch jenes Segment des mid market, das auf dem Dritten Markt aufbaut".

Es fehlt zum Beispiel in Österreich eine automatische Befüllung des Aktienbuchs
mit den neuen Käuferdaten (inklusive Kontonummer) nach vollzogenem Börsehandel. Ein automatisches Eintragungssystem für Namensaktien wie in Deutschland existiert in Österreich nicht.

Das GesRÄG 2011 reagierte mit dem Ausschluss von Inhaberaktien im Dritten Markt auf internationale Vorgaben punkto Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Kritisiert wird, dass Österreich mit dem Komplettverbot über das Ziel hinausschoss, während in Deutschland schon seit einigen Jahren eine Lösung existiert. An dieser würde sich Österreich nun orientieren, heißt es aus der Börse gegenüber FONDS professionell ONLINE.

Technische Voraussetzung für Inhaberaktien seien, dass diese in einer Sammelurkunde verbrieft werden (bei Ausschluss der Einzelverbriefung) so wie eine Hinterlegung der Sammelurkunde bei einem zugelassenen Zentralverwahrer (OeKB), heißt es aus dem Finanzministerium. (eml)