Dass US-Präsident Donald Trump kein Freund von Zinserhöhungen ist, hat er schon mehrfach deutlich gemacht. Zuletzt hat er den Druck auf die US-amerikanische Zentralbank Federal Reserve aber weiter erhöht: "Das Weiße Haus begrüßt weitere Zinserhöhungen in den USA nicht", so lauteten Legal & General Investment Management (LGIM) zufolge die Worte des Präsidenten an die Notenbank.

"Zwar gibt es keine offiziellen Mechanismen, mit denen Donald Trump die US-Notenbank zu einer Lockerung ihrer Geldpolitik bewegen könnte. Aber er kann die Darstellung des Sachverhalts in der Presse und im Kongress beeinflussen, was für die Federal Reserve ungemütlich werden könnte", erklärt Emiel van den Heiligenberg, Head of Asset Allocation bei LGIM. Denn indem der Präsident die Leitplanken der öffentlichen Debatte festlege, könne er auch Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung nehmen und die Menschen dazu bringen, die Politik der Notenbank infrage zu stellen.

Untergrabung der Federal Reserve führt zu steiler Zinskurve
Grundsätzlich sollte die Untergrabung der unabhängigen Geldpolitik der Federal Reserve zu einer steileren Zinskurve und höheren Inflationserwartungen führen. "Generell gilt, je steiler der Verlauf der Zinsstrukturkurve, desto höher sind die Erwartungen der Marktteilnehmer an eine wirtschaftliche Erholung und eine robuste konjunkturelle Entwicklung. Für dieses Szenario gibt es Hinweise", erklärt van den Heiligenberg. 

Dagegen seien gestiegene Erwartungen einer höheren Inflation derzeit nicht erkennbar, da der Markt nach Meinung des Experten zunächst Ausschau nach weiteren Anzeichen dafür halte, dass die Zentralbank in der Schusslinie stehe. "Es gehört zu einer der wichtigsten institutionellen Stärken der Industriestaaten, dass wirtschaftspolitische Maßnahmen der Notenbank keiner Einflussnahme der Politik unterliegen. Anleger sollten sich vor Augen führen, dass jede Abkehr von dieser Regel eine Gefahr für den Aktienmarkt darstellt", lautet van den Heiligenbergs Warnung. (jb)