Deutsche Dividendensucher konzentrieren sich gern auf heimische Gefilde, weil sie sich dort Sicherheit und besonders hohe Ausschüttungen versprechen. Das ist ein Fehler, zeigt eine Auswertung von La Financière de l’Echiquier. Zwischen 2006 und 2016 lag demnach die durchschnittliche Dividendenrendite im deutschen Leitindex Dax bei 3,3 Prozent – und damit um 0,5 beziehungsweise 0,7 Prozentpunkte niedriger als im französischen CAC 40 und im britischen FTSE 100.

Obwohl die 30 Dax-Konzerne in diesem Jahr für 2016 laut einer gemeinsamen Schätzung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), der privaten FOM-Hochschule und der Research-Plattform Dividenden-Adel mit 31,6 Milliarden Euro rund 6,5 Prozent mehr ausschütten als für das Rekordjahr 2015, fällt die Abweichung aktuell sogar noch eklatanter aus. Während deutsche Konzernriesen im Schnitt eine Dividendenrendite von 2,7 Prozent bieten, locken die Firmen im CAC 40 und im FTSE 100 mit durchschnittlich 3,5 beziehungsweise 4,0 Prozent Dividendenrendite. "Hauptursache ist die Zusammensetzung der jeweiligen Leitindizes. Sowohl im CAC 40 als auch im FTSE 100 sind große Ölgesellschaften gelistet, die historisch betrachtet Dividendenschwergewichte sind", sagt Fondsmanager Olivier de Berranger.

Quelle: La Financière de l’Echiquier

Deutschland schwächelt auch bei Mid-Caps
Ebenfalls interessant ist der Finanzsektor, der in Europa traditionell ein wichtiger Dividendenzahler ist. Die Gewinnbeteiligungen deutscher Finanztitel fallen zurzeit allerdings eher moderat aus. "In Frankreich ist der Finanzsektor dagegen in guter Verfassung und gibt dies an die Aktionäre zurück", sagt de Berranger. Société Generale und BNP Paribas haben ihre Ausschüttungen zuletzt deutlich erhöht. Die Rendite auf Basis der für 2016 geschätzten Dividenden von Finanztiteln liegt im deutschen Leitindex bei rund 3,4 Prozent, gegenüber 4,7 Prozent im CAC 40 und 4,1 Prozent im FTSE 100.

Ein Blick auf das Mid-Cap-Segment liefert ähnliche Ergebnisse. Mittelgroße AGs aus Großbritannien weisen eine deutlich höhere Dividendenrendite auf als deutsche und französische Mid-Caps. Für das Jahr 2016 liegt die durchschnittliche Dividendenrendite im britischen MSCI UK MID bei 3,9 Prozent. Die im französischen MSCI FR MID gelisteten Mittelständler kommen auf 2,6 Prozent, die deutschen Mid Caps auf 2,5 Prozent. "Allerdings sind wir bei britischen Mid Caps vorsichtig. Weil ein Großteil ihres Geschäfts auf dem Heimatmarkt umgesetzt wird, tragen Investoren ein größeres Währungsrisiko", sagt de Berranger. (fp)