Trotz der zuletzt stark gestiegenen Volatilität ist kein gefährlicher Inflationszyklus in Sicht – Anleger sollten sich aber zumindest ansatzweise auf einen solchen vorbereiten. Dazu rät Didier Le Menestrel, CEO des französischen Fondsanbieters La Financière de l’Echiquier (LFDE). "Wir sind vorgewarnt und werden uns auf die Suche nach jenen Unternehmen begeben, die in der Lage sind, ihre Preise anzupassen", sagt Le Menestrel. Ebenso halte LFDE Ausschau nach Finanzgesellschaften, die die natürlichen Nutznießer des Wiederanstiegs der langfristigen Zinsen sein würden. 

In den vergangenen Jahren haben die Währungshüter stets eine drohende Deflation bekämpft. "Wenn die Rückkehr der Inflation auch jetzt noch ungewiss erscheinen mag, so gibt es doch zahlreiche Gründe, daran zu glauben", sagt Le Menestrel. Diese Gründe seien ein synchrones weltweites Wachstum, eine sinkende Arbeitslosigkeit, ein bisweilen deutlicher Anstieg der Löhne und Gehälter, der weltweite Anstieg der Rohstoffpreise oder auch die verminderte Fähigkeit Chinas, seinen Preisdruck zu exportieren.

Europa steht den USA in nichts nach
Der Anstieg der Löhne und Gehälter im Zusammenspiel mit einer offiziell niedrigen Arbeitslosenquote sind eine der natürlichen und klassischen Erklärungen für eine Rückkehr der Inflation. "Was dieses Thema betrifft, steht Europa den Vereinigten Staaten gegenüber in nichts nach", sagt der Anlageexperte. Zudem sei es frappierend, dass die für ihre große Besonnenheit in Gehaltsfragen bekannte Gewerkschaft IG Metall kürzlich eine allgemeine Gehaltserhöhung von 4,3 Prozent durchgesetzt hat und dass sich bei der Fluggesellschaft Lufthansa eine Anhebung von möglicherweise bis zu sechs Prozent abzeichnet. Es sei in jedem Fall ratsam, die Entwicklung im Auge zu behalten. (fp)