Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat am Mittwoch ihren Leitzins um 0,25 Prozent auf einen Zielkorridor von 1,25 bis 1,5 Prozent angehoben. "Offensichtlich ist die Fed weiterhin bereit, durch die derzeit schwachen Inflationszahlen hindurch zu schauen. Daher war die Zinserhöhung nahezu unumgänglich", sagte Martin Moryson, der Chefvolkswirt der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim.

Er rechnet damit, dass 2018 drei weitere Zinsschritte folgen. "Sollte sich die Inflation stärker als erwartet zurückmelden, wofür die feste Lage am Arbeitsmarkt spricht, wäre nächstes Jahr ein vierter Schritt möglich", so Moryson.

"Das verdeutlicht die Schwierigkeiten der Fed"
"Den aktuellen Wirtschaftsprognosen zufolge haben sich die Wachstums- und Arbeitsmarktaussichten verbessert, während sich das Inflationsszenario nicht verändert hat", erläutert Yves Longchamp, Head of Research bei Ethenea. "Wir haben dieses Schema nun bereits mehrfach beobachten können. Das verdeutlicht die Schwierigkeiten der Fed, die derzeitige wirtschaftliche Dynamik und insbesondere den Zusammenhang zwischen der Inflation und anderen makroökonomischen Variablen zu verstehen."

"Auch bei der Fed herrscht Unsicherheit darüber, welcher geldpolitische Kurs der richtige ist", sagt Longchamp. "Das spiegelt sich in der Tatsache wider, dass zwei Fed-Mitglieder dafür waren, die Zinsen unverändert zu lassen."

Im Vorstand der Notenbank stehen wichtige Änderungen an
Die Zinsanhebung sei nicht überraschend gewesen, sagt Ronald Temple, Head of US Equity bei Lazard Asset Management. "Viel wichtiger ist, wer 2018 einen Sitz im Vorstand der US-Notenbank übernehmen wird und wie sich das auf deren Politik auswirken wird." 2018 ändert sich die Zusammensetzung der stimmberechtigten Mitglieder im Offenmarktausschuss. Zudem werden drei Sitze im Vorstand der Fed frei und müssen neu besetzt werden. Zähle man den Sitz der derzeitigen Notenbank-Cefin Yellen mit, seien es sogar vier, betont Temple. "Diese Änderungen könnten den geldpolitischen Kurs wesentlich beeinflussen."

Von Jerome Powell als neuem Präsidenten der US-Notenbank erwartet der Asset Manager Kontinuität. "Eine Vorhersage ist jedoch schwierig angesichts der sich verändernden Stimmverhältnisse im Offenmarktausschuss sowie angesichts von vier neuen Mitgliedern im Fed-Vorstand", betont Temple.

US-Konjunktur bleibt in Schwung – solange die Zinsen niedrig bleiben
Die größten Herausforderungen für die Fed würden künftig darin liegen, bei der Inflation die Zielmarke von zwei Prozent zu erreichen, die Konsumerholung des Mittelstands nicht zu gefährden und die systemischen Risiken durch eine kluge Makropolitik zu entschärfen. "All dies kann erreicht werden – aber nur, wenn sich die Fed stärker auf tatsächliche Daten konzentriert als auf theoretische Modelle", sagt Temple. "Zudem muss sie in vollem Maße anerkennen, wie sehr die derzeitige Erholung von früheren Erfahrungen abweicht." Die Vereinigten Staaten könnten das Wachstum noch mehrere Jahre aufrechterhalten, sofern die Geldpolitik ausreichend expansiv bleibt, meint der Lazard-AM-Experte. (bm)