Zehn Jahre nach der Finanzkrise 2008 ist der Schuldenberg der Industrieländer keineswegs geschrumpft. Im Gegenteil: Er ist sogar noch gewachsen, von 240 Prozent des addierten Bruttoinlandprodukts (BIP) auf rund 275 Prozent, sagt Feri-Chefvolkswirt Axel Angermann.

Der Anstieg ging fast vollständig auf das Konto der Vereinigten Staaten. Die private Verschuldung blieb währenddessen mit etwa 165 Prozent des BIP konstant. In den Schwellenländern stieg der Schuldenstand von 107 auf fast 190 Prozent des BIP. "Hier entfiel der weitaus größte Teil auf den privatwirtschaftlichen Bereich, vor allem auf Unternehmen", sagt Angermann. 

Die expansive Geldpolitik der Notenbanken hat nach Ansicht des Ökonomen zwar das globale Finanzsystem vorerst stabilisiert. Die Ursachen der Krise seien aber nicht beseitigt. Für die Weltwirtschaft bleibt das nicht ohne Folgen. Erstens steht die Frage im Raum, wie gut die hoch verschuldeten Staaten mit einem Zinsanstieg zurechtkämen. Zweitens bleiben die Kapitalmärkte ein Risikofaktor: "Ein Teil der in den vergangenen zehn Jahren und auch aktuell noch getätigten Investitionen wird sich als Fehlallokation herausstellen, die nur in einem Umfeld extrem niedriger Zinsen Bestand haben kann", sagt Angermann. Je nachdem, wie groß der Anteil solcher Fehlallokationen ist, könnten sie die Wirtschaft destabilisieren.  

China steht im Fokus
Insbesondere die extrem hohe Verschuldung Chinas bedroht die Stabilität der Weltwirtschaft. Das Schattenbanksystem, die Preisentwicklung an den Immobilienmärkten und Misswirtschaft im Kreditsektor verschärfen das Problem, warnt Angermann. Chinas Regierung steuert zwar bereits gegen. "Es gibt aber wenig Grund zur Hoffnung, dass gerade China als erstem Land in der Weltgeschichte die geordnete Rückführung einer Schuldenblase gelingen sollte", sagt Angermann. Der aktuelle Aufschwung in der Weltwirtschaft erscheint ihm deshalb allenfalls als Zwischenspiel. "Verantwortungsvoll handelnde Akteure sollten sich mittelfristig auf ein Ende einstellen", rät er. (fp)