Peter Praet, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), erteilt den Erwartungen vieler Marktteilnehmer nach einem raschen Ausstieg aus der megaexpansiven Geldpolitik eine Absage. Preat hält sogar eine Verlängerung der in Deutschland arg umstrittenen Anleihenkäufe durch die Notenbank für möglich – allerdings nur, wenn gleichzeitig das Volumen der Käufe stark reduziert wird.

Das Marktumfeld in Europa sei derzeit relativ ruhig und die Investoren dadurch geduldiger, sagte Praet am Mittwoch bei einer Rede in New York anlässlich der halbjährlichen Tagung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds. Sie könnten somit einen Stimulus besser einschätzen, "der von einem Ankaufplan ausgeht, der über eine ausgedehntere Zeitstrecke auszuführen ist." Die Konjunktur in der Euro-Zone sei außerdem so robust wie seit Jahren nicht mehr.

Auch mit Kritik an der Zinspolitik geizte Praet nicht: Bei Erreichen ihres Inflationsziels habe die EZB nur unzureichende Fortschritte gemacht. Bei seiner Rede wies der Ökonom darauf hin, dass sich die Konjunkturerholung zwar verstärkt habe, die Inflation aber zu niedrig sei. Diese Aussage deutet darauf hin, dass die EZB bei der für 2018 erwarteten Verringerung ihres Anleiheankaufprogramms langsam und vorsichtig vorgehen wird. 

Entscheidung am 26. Oktober
Nach den bisherigen Planungen der EZB wird das Anleihekaufprogramm Ende Dezember 2017 ein Volumen von 2,3 Billionen Euro erreicht haben. Experten gehen davon aus, dass EZB-Präsident Mario Draghi auf der nächsten Zinssitzung am 26. Oktober über die Zukunft der Käufe entscheiden wird.

Es wird erwartet, dass die Währungshüter dann verkünden, ob sie die Anleihekäufe nur noch für eine kurze Zeit, dafür aber mit einem hohen Volumen verlängern, oder ob sie das Programm noch eine längere Zeit über fortführen werden, dafür aber mit einem kleineren Volumen. Auf der letzten Sitzung Anfang September war EZB-Chef Mario Draghi entsprechende Klarstellungen schuldig geblieben.

Mahnende Worte
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte vor einigen Tagen der EZB und anderen Zentralbanken empfohlen, die Politik des leichten Geldes weiterzuverfolgen, bis es sich verfestigende Anzeichen dafür gebe, dass das Inflationsziel auch wirklich erreicht werde. In einem aktuellen Bericht rät der IWF den Staaten zur Vorsicht, denn die Erholung bei Wachstum und Preisen falle in den hoch verschuldeten Ländern der Eurozone noch schwach aus, sodass ein Anziehen der geldpolitischen Zügel Risiken für diese Volkswirtschaften darstellen könne. (fp/kb)