Die europäischen Immobilienmärkte profitieren von der guten Verbraucherstimmung. Die Anlageklasse zieht nach wie vor viel Interesse auf sich, nicht zuletzt dank guter Fundamentaldaten. Allein in den zwölf Monaten bis Juni 2017 gaben Anleger Rekordsummen für Immobilien auf dem europäischen Festland aus, zeigen Zahlen von CBRE. Der aktuelle Zyklus neigt sich allerdings allmählich dem Ende zu, sagt Gil Bar, Managing Director Germany Real Estate bei Aviva Investors. "Es gibt immer weniger interessante Objekte."

Die mäßige Entwicklungstätigkeit und die weiterhin günstigen Finanzierungsbedingungen sollten den Zyklus noch bis ins nächste Jahr tragen, schätzt Bar. Hochwertige Immobilien sind aber bereits sehr teuer. Nach Schätzung von Aviva Investors bieten nur 13 von 41 hochwertigen Büro-, Einzelhandels- und Industriemärkten noch eine angemessene Gesamtrendite. Neben den hohen Bewertungen sprechen auch die Fusionstätigkeit und ein hoher Anteil an alternativen Investments dafür, dass der Markt seinen Zenit erreicht hat.

Ertragsrisiken minimieren
In dieser Phase des Zyklus sollten sich Anleger nicht exzessiv verschulden, warnt Bar. "Es könnte angebracht sein, die Portfolios auf defensivere Strategien umzustellen und sich auf Vermögenswerte mit weniger hohem Ertragsrisiko zu konzentrieren", sagt er. Einige interessante Chancen gibt es aber dennoch. So sehen etwa mehrere hochwertige Einzelhandelsimmobilien in Spitzenlagen vielversprechend aus. Auch Industrieobjekte in Nordeuropa sind nach Einschätzung des Immobilienspezialisten noch attraktiv.

Mittelfristig sieht Bar die Gefahr, dass steigende Zinsen und eine anziehende Inflation in den USA die Renditen am europäischen Anleihemarkt in die Höhe treiben. "Das würde die relative Attraktivität europäischer Immobilien schmälern und die Nachfrage belasten", sagt er. Vermögenswerte mit geringer Rendite, vor allem in den Ländern der europäischen Peripherie, würden in diesem Szenario am härtesten getroffen. (fp)