Die im Mehrheitseigentum des US-Fonds Cerberus stehende Bawag PSK macht bei ihrer jüngst angekündigten Expansionsstrategie Nägel mit Köpfen: Die Tochter Easybank – größte österreichische Direktbank – nimmt dem Schweizer Bezahldiensteriesen SIX das Geschäftssegment Commercial Issuing – also die Herausgabe von Kredit- und Prepaidkarten – in Österreich ab. Auch das Geschäftsfeld Issuing Support für österreichische Banken geht an die Easybank, berichtet die Bawag PSK auf ihrer Homepage.

Das Endkundengeschäft mit den Kredit- und Prepaidkarten firmiert weiterhin unter dem gewohnten Markennahmen Paylife. 150 Mitarbeiter wechseln von SIX zur Easybank. Das Closing wird für das zweite Halbjahr 2017 erwartet. Beide Parteien haben Stillschweigen über die Details des Vertrages vereinbart – klar ist aber, dass das der Startschuss für eine längere Expansionswelle ist.

Expansion im deutschsprachigen Raum
Bawag PSK-Chef Byron Haynes hatte kürzlich angekündigt, dass er die Expansion seines Instituts beschleunigen will und dass er Möglichkeiten "für anorganisches Wachstum" prüfe – Insbesondere im deutschsprachigen Raum. Die Easybank soll im ersten Halbjahr 2017 nach Deutschland gebracht werden. (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Des weiteren kamen die Bawag PSK beziehungsweise deren Hauptaktionär Cerberus unlängst als möglicher Bieter für die Oldenburgische Landesbank in Deutschland ins Gespräch. Die FAZ berichtete vergangene Woche, dass die Bawag gerüchteweise noch im Rennen ist, während die Commerzbank aufgegeben hat.

SIX wird schlanker, Easybank baut aus
Die Easybank ist mit rund 420.000 Kunden die größte Direktbank Österreichs und hierzulande seit 1997 auf dem Markt. Die Übernahme des Kartengeschäfts von der Schweizer SIX ist eine Win-Win-Situation für beide. SIX hatte 2013 die damalige Paylife Bank übernommen, die Marktführerin für bargeldloses Bezahlen in Österreich ist. Darin enthalten war auch das Commercial Issuing. Der Bereich gilt zwar als profitabel, die direkte Kartenausgabe an Konsumenten war aber das einzige B2C-Geschäftsfeld von SIX und passte nicht wirklich ins Unternehmensportfolio. SIX will nun ausschließlich als B2B-Dienstleisterin für Banken und Finanzinstitute auftreten. Beim Zahlungsverkehr setzt man rein auf Händler, (Acquiring und Processing von Transaktionen). Diese Sparten bleiben im Österreich-Portfolio von SIX.

Die Easybank wiederum hat bereits eine Kartenschiene und braucht für ihre Wachstumsstrategie weitere Produkte. Der Markenname Paylife bleibt. Er umfasst in Österreich rund 1,7 Millionen Kredit- und Prepaidkarten im Endkundengeschäft. Auch die im Auftrag einiger österreichischer Banken erbrachten Dienstleistungen im Commercial Issuing fallen darunter. (eml)