Dividenden werden zunehmend als Zinsersatz entdeckt – auch von bislang wenig aktienaffinen Anlegern. Niedrigere, dafür häufige Dividendenzahlungen würden sich positiv auf die Aktienkultur in Deutschland auswirken als das alljährliche Dividendengewitter im Frühling. Dieser Ansicht ist Christian W. Röhl, Gründer der unabhängigen Research-Plattform Dividendenadel.

In den kommenden sechs Wochen werden mehr als 170 börsennotierte deutsche Unternehmen rund 33 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner ausschütten – mehr als 70 Prozent der gesamten Ausschüttungssumme des deutschen Aktienmarktes. "Was auf den ersten Blick positiv klingt, hat einen deutlichen Nachteil: Nach dem großen Geldregen dauert es wieder mehr als zehn Monate, bis die Erntesaison aufs Neue beginnt", sagt Röhl.

Jahrestypische Dividendensaison: Platz- statt Nieselregen

Das bedeutet: Anleger haben in diesen zehn Monaten viel Zeit zum Grübeln und Zweifeln, vor allem, wenn die Kurse nicht so stark steigen wie zuletzt. Für die Aktienkultur sei die Ballung der Dividendenzahlung auf nur wenige Monate nicht optimal.

Besser seien die in den USA üblichen Quartalsdividenden: "Dieser monetäre Nieselregen ist die beste Motivation, sich vom hektischen Auf und Ab der Kurse freizumachen und auch in schwierigen Phasen cool zu bleiben", erklärt Röhl. 

Teilweise monatliche Dividende
Einige US-Gesellschaften zahlen sogar noch häufiger als einmal pro Quartal. So schüttet die US-Immobilienfirma Realty Income monatlich Dividenden an ihre Aktionäre aus. "Sicher kann die Ausschüttungsfrequenz kein hinreichender Grund für ein Investment sein, schon gar nicht bei einem überwiegend auf Gewerbeimmobilien fokussierten Portfolio", gibt Röhl zu bedenken. Jedoch zeige das Beispiel, dass regelmäßige unterjährige Ausschüttungen dazu beitragen können, Investoren bei der Stange zu halten und neue Aktionäre zu gewinnen. (fp)