"Meine Gesprächspartner sind vorsichtig. Es gibt unverändert Nachfrage nach Anleihen, und Anleger sind nicht bereit, sich in den riskanteren Aktien-Bereich hineinzubewegen", sagt Christian Nolting, Investmentchef bei der Wealth-Management-Sparte der Deutschen Bank, in einem Interview mit Bloomberg in Dubai. Die Märkte waren auf Grund unerwarteter Ereignisse in der jüngsten Vergangenheit in Aufruhr geraten. Dazu zählen die Brexit-Entscheidung der Briten und die Wahl von Donald Trump zum neuen US-amerikanischen Präsidenten.

Populistische Kandidaten bei den anstehenden Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland befeuern Ängste, die Europäische Union könne auseinanderfallen. Die Deutsche Asset Management selbst hatte deshalb die europäischen Bestände jüngst in ihren Multi-Asset-Fonds auf das geringste Niveau aller Zeiten gesenkt.

"Rechnen nicht mit einer massiven Verlagerung von Anleihen in Aktien"
Devisen seien jetzt eine der wichtigsten Aktiva-Klassen, während Investoren Barmittel parken oder in Bonds belassen würden, so Nolting. "Wir rechnen nicht mit einer massiven Rotation von Anleihen in Aktien. Letztere stehen noch immer für ein anderes Risiko-Profil", erklärt er. Einige große Investoren würden zwar Dividendentitel bei entsprechender Absicherung kaufen, aber Aktien seien generell alles andere als preiswert.

Nolting geht davon aus, dass die Regierung Trump neue Infrastrukturausgaben und eine Senkung der Unternehmenssteuern anstreben wird – was den US-Märkten helfen werde. Das dürfte seiner Meinung nach Unternehmensanleihen wohl attraktiver machen, weil die Maßnahmen die Wahrscheinlichkeit einer US-Rezession in den nächsten drei Jahren reduzieren würden.

Die Deutsche Bank Wealth Management bevorzugt US-Dollar-Anleihen aus Schwellenländern. Das Unternehmen gibt Papieren mit Investment-Grade-Bewertung aus Asien den Vorzug gegenüber jenen aus Lateinamerika. Nolting begründet dies mit dem besseren politischen Klima in der Region. (mb/Bloomberg)