Manch ein Ökonom zeichnet Untergangsszenarien, wenn es um das Pensionssystem geht. Die Politik wiederum behandelt das Thema wie ein heißes Eisen und greift zum Beispiel die Anhebung des Pensionsalters wieder einmal nicht an. FONDS professionell hat in der aktuellen Heftausgabe 02/2018 analysiert, welche Leistungen wir von der Politik erwarten sollen, was wir als Anleger selber machen müssen und welche Konsequenzen man daraus als Finanzberater für das Kundengespräch zieht.

Alterung trägt nicht allein die Schuld
Aufschlussreich für die Debatte ist die Arbeit der Mathematikerin und Demografiespezialistin Alexia Fürnkranz-Prskawetz von der TU Wien. Die Daten, die sie gemeinsam mit Kollegen im Rahmen des EU-Projekts AGENTA erhoben hat, zeigen zum Beispiel, wie fragwürdig es wäre, allein das Pensionsalter zu erhöhen. Denn im internationalen Vergleich fällt auf, dass der Staat es zuerst einmal verabsäumt hat, das Potenzial der arbeitsfähigen Bevölkerung auszuschöpfen: In Österreich, so Fürnkranz-Prskawetz, seien zu viele Menschen schlicht aus strukturellen Gründen nicht auf dem Arbeitsmarkt (die erste Grafik in der Klickstrecke zeigt das ganz deutlich).

Außerdem müsse es der Staat ermöglichen, während des Arbeitslebens mehr Vermögen anzulegen, damit man in den späteren abhängigen Phasen daraus regelmäßige Vermögenseinkommen hat beziehungsweise Ersparnisse, um die Bedürfnisse im Alter zu finanzieren. Die so genannte "Rushour des Lebens", die intensive Phase, in der man Karriere, Familie, Hausbau und Vermögensaufbau unterbringen muss, gehört entlastet, so Fürnkranz-Prskawetz.

Sie weist aber noch auf einen wichtigen Aspekt hin: "Wir müssen bei diesem Thema vom Pessimismus wegkommen, länger leben ist etwas Positives, aber man muss die Chancen auch nutzen", sagt sie.

Finanzberater müssen Demografie besser einbinden
Die Gesellschaftsalterung ist auch für Finanzberater ein Punkt, der in keine Beratrungsstrategie mehr fehlen dürfen. Verschiedene Studien zeigen, dass die meisten Menschen ihre Lebenserwartung enorm unterschätzen. Es sei ein Auftrag für die Finanzberater, auf diese gefährliche Vorsorgelücke besser hinzuweisen und sie im Idealfall zu schließen, mahnt Eric Samuiloff, Obmann der Fachgruppe Finanzdienstleister Wien.

Er nennt zahlreiche konkrete Punkte, die in der Beratung angewandt werden sollten. Etwa das "Lebenszyklusmodell": was blumig klingt, ist für den Berater ein Knochenjob, vor allem weil es um Themen geht, die der Kunde vielleicht gar nicht hören will: Dieser kommt meist mit aktuellen Bedürfnissen. Der Berater sollte hingegen strukturiert auch unangenehme Zukunftsszenarien durchgehen, mahnt Samuiloff. "Es reicht einfach nicht mehr, eine Lebensversicherung abzuschließen, damit in 20 Jahren Geld fließt. Ein Lebenszyklusmodell endet nicht mit 65 Jahren, sondern beinhaltet auch Fragen der Pflege oder teurer Hobbys, für die man in der Pension idealerweise mehr Zeit hat, bis hin zur Wohnsituation", so Samuiloff. Er verweist auf zahlreiche andere Bausteine, die im Beratungsgespräch zwingend Thema sein sollen, wie Maximum Drawdown (MDD), Pensionskonto, Gender-Gap, Wohnsituation. (eml)


Den gesamten Artikel mit zahlreichen spannenden Grafiken, die man in der üblichen Pensionsdebatte kaum sieht, lesen Sie in der aktuellen Heftausgabe von FONDS professionell. Registrierte Nutzer können den Artikel auch im E-Magazin lesen.