Ein härterer Brexit würde vermutlich zu einem Anstieg des Primäreinkommens und somit zu einer günstigeren Leistungsbilanz Großbritanniens führen, sagt Maya Bhandari, Portfoliomanagerin beim Fondsanbieter Columbia Threadneedle. "Ein härterer Brexit dürfte wahrscheinlich mit einer schwächeren Währung und einem niedrigeren Leitzins in Verbindung gebracht werden", sagt Bhandari. 

Gleichzeitig könne ein harter Brexit eine Gefahr für die britische Kapitalbilanz und damit auch für die Zahlungsbilanz darstellen. Denn die Unsicherheit über die Geschäftsaussichten in Großbritannien dürften zunehmen, sodass ausländische Direktinvestitionen zurückgehen und Abflüsse schnell Realität würden.

Bei einem weicheren Brexit könnten dagegen ein höherer Leitzins und eine stärkere Währung das Gegenteil bewirken, da ein Rückgang des Primäreinkommens das Leistungsbilanzdefizit erhöhe. Es sei ungewiss, ob die Kapitalbilanz den möglichen Anstieg des Leistungsbilanzdefizits im Falle eines weichen Brexit nachhaltig ausgleichen könne, da niemand wisse, wie ein weicher Brexit aussehen könne. 

Anleiherenditen könnten steigen
Sollten Anleger die Nachhaltigkeit der Finanzierung des britischen Leistungsbilanzdefizits aufgrund mangelnder langfristiger Zuflüsse in der britischen Kapitalbilanz hinterfragen, würde dies die Nachfrage nach britischen Anlagen weiter schwächen, sagt Bhandari: "Ein Abzug von Anlegergeldern würde zu einem Anstieg der Anleiherenditen führen, und das britische Pfund würde beginnen, gegenüber anderen Währungen abzuwerten." (fp)