Aktieninvestoren haben die Rückschläge von Februar und März dieses Jahres weitgehend hinter sich gelassen und die Uhren sozusagen auf null gestellt, sagt Blackrock-Kapitalmarktstratege Martin Lück. "In der Tat ist die Jahresperformance wichtiger Kursbarometer in den USA und Europa bis auf einige Nachkommastellen an die Stände von Anfang Januar herangerückt", erklärt er. Auch die Volatilität hat sich gelegt, in Europa mehr als in den USA.

Wie in früheren turbulenten Jahren scheinen Anleger die Erfahrungen vom Jahresbeginn – konkret: Sorgen über steigende Zinsen und Angst vor niedrigeren Wachstumsraten – verarbeitet zu haben. "Zum Teil mag das damit zu tun haben, dass steigende Zinsen so lange nicht bedrohlich sind, wie sie durch höheres Nominalwachstum gerechtfertigt sind", sagt Lück. Investoren benötigen seiner Erfahrung nach lediglich etwas Zeit, um sich daran zu gewöhnen.

Wonnemonat könnte seinem Ruf gerecht werden
Der Stratege sieht auch einen gewissen Gewöhnungseffekt hinsichtlich der Politik von US-Präsident Donald Trump. "Anleger verstehen heute besser als vor einem Jahr, dass wüstes Twittern des Präsidenten nicht unbedingt für bare Münze zu nehmen ist", urteilt er. In der Folge fokussieren sich Aktieninvestoren wieder stärker auf rationale Parameter wie Wachstum und Unternehmensgewinne. "Zum Glück agieren die Europäische Zentralbank und die Fed bis dato berechenbarer als das Weiße Haus", so Lück. Sollte das so bleiben, könnten die Aktienmärkte im laufenden Monat spürbar ins Plus drehen. (fp)