Schon ein kurzer Blick auf die Türkei verheißt nichts Gutes, sagt Martin Lück, leitender Kapitalmarktstratege bei Blackrock. Die Wirtschaft ist nach zahlreichen Konjunkturprogrammen heiß gelaufen, die Inflationsrate erreichte im Juli 15,9 Prozent und die Zentralbank tut sich schwer mit einer restriktiveren Geldpolitik. Eigentlich müsste sie die Zinsen anheben, um die Inflation unter Kontrolle zu bekommen. "Steigen die Zinsen jetzt stark an, würde aber das Wachstum leiden und den Präsidenten die mühsam erkaufte Wählerunterstützung kosten", sagt Lück.

Hinzu kommt, dass sich die türkische Lira seit Monaten im freien Fall befindet. "Da hilft es nicht, dass die Türkei mit hohen Auslandsschulden und sehr niedrigen Währungsreserven anfällig für Kapitalabflüsse ist", so der Stratege. Er ist überzeugt: Die Staatspleite ist nur noch eine Frage der Zeit – zumindest, falls sich die Regierung in Ankara nicht doch noch dazu durchringt, die heiß gelaufene Wirtschaft abzubremsen.

Kampf der Egomanen
In dieser Gemengelage ist der Handelsstreit mit den USA fast schon zweitrangig. "Wenn zwei Egos wie jene von Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan aufeinandertreffen, verspricht es unterhaltsam zu werden", so Lück. "Im Fall der aktuellen Konfrontation tritt der Entertainmentfaktor aber in den Hintergrund, denn die Sorgen über einen regelrechten ökonomischen Kollaps in der Türkei sind allzu real." Sollte die Wirtschaft am Bosporus zusammenbrechen, würden andere europäische Märkte ebenfalls unter Druck geraten. (fp)