Nach dem Scheitern der Sondierungsgespräche zwischen CDU/CSU, FDP und Grünen steht Deutschland vor einem politischen Scherbenhaufen. Die Optionen reichen von einer Minderheitsregierung bis hin zu Neuwahlen. "Auch ein Rücktritt Angela Merkels kann nicht mehr ausgeschlossen werden", kommentiert Harald Preißler, Chefvolkswirt des Fondsanbieters Bantleon. Er rechnet damit, dass sich der politische Findungsprozess mindestens bis ins kommende Frühjahr hinein ziehen wird.

Als Reformmotor der EU fällt Deutschland weiterhin aus, schätzt Preißler. "Die konjunkturellen Folgen sollten sich dagegen in Grenzen halten." Der Ökonom weist darauf hin, dass Spaniens Wirtschaft im Jahr 2016 florierte, obwohl es ein Jahr lang nur eine provisorische Regierung plus Dauer-Wahlkampf gab. "In den Niederlanden zogen sich die Koalitionsverhandlungen in diesem Jahr über sieben Monate. Das hinderte die Wirtschaft nicht daran, zur Höchstform aufzulaufen", betont Preißler.

Guter Start – aber für wen?
In Deutschland wird die nächste Regierung unter Traum-Bedingungen antreten. "Sie startet mit einer rekordniedrigen Arbeitslosigkeit und einem Überschuss im Staatshaushalt", sagt der Bantleon-Experte. Auch die jüngsten Zahlen zu Deutschlands Bruttoinlandsprodukt sind erfreulich. Demnach lag das Wachstum im Jahresvergleich im dritten Quartal erstmals seit sechs Jahren wieder bei knapp drei Prozent. "Mithin befindet sich die Wirtschaft nicht mehr nur in einem gewöhnlichen Aufschwung, sondern in einer Boomphase", sagt Preißler. (fp)