Die Aktienkurse sind in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen, vor allem in Europa. Der deutsche Leitindex Dax hat gerade die siebte Woche in Folge angezogen und dabei die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkten geknackt. Bis zum Allzeithoch fehlen jetzt nur noch vier Prozent. Wichtigster Faktor für die Kauflust der Anleger ist die jüngste Schwäche des Euro, sagt Bantleon-Chefvolkswirt Daniel Hartmann. Auch die Beruhigung auf der koreanischen Halbinsel spielt seiner Einschätzung nach eine Rolle.

Investoren blenden allerdings mehrere Risiken aus, warnt der Ökonom. So hat sich die Bedrohungslage im Nahen Osten mit der Aufkündigung des Iran-Atomabkommens durch die USA sogar noch verschärft. Die bevorstehende Regierungsbildung in Italien birgt ebenfalls einigen Sprengstoff. "Auch die konjunkturellen Gefahren erhalten nicht die gebührende Beachtung", kritisiert Hartmann. "Dabei sind die Frühindikatoren vor allem in Europa in den Sinkflug übergegangen."

Zweites Halbjahr wird schwierig
Der Bantleon-Experte rechnet damit, dass nicht nur eine Stimmungsdelle droht, sondern eine nachhaltige Konjunkturabschwächung. "Das hängt auch damit zusammen, dass die Kehrseite der Euro-Schwäche die Stärke des US-Dollars ist. Und die bereitet den Schwellenländern zunehmend Probleme", erklärt er. "Wir müssen davon ausgehen, dass negative Daten-Überraschungen auch im weiteren Jahresverlauf das Bild prägen werden."

Auch wenn sich die Aktienmärkte auf einem Höhenflug befinden und die Volatilität erneut gesunken ist: Die Risiken für Investoren haben deutlich zugenommen, warnt Hartmann. Anleger sollten die Gefahren für die Märkte nicht auf die leichte Schulter nehmen. Der Ökonom ist überzeugt: "Am Ende werden die sicheren Häfen profitieren." (fp)