Der Anstieg der Teuerungsraten in den USA und in Europa wird drastische Auswirkungen auf Märkte und Menschen haben, sagt Uwe Zimmer, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Fundamental Capital in Köln. In beiden Regionen liegt die Inflation derzeit leicht oberhalb der von den Notenbanken erwünschten Spanne. Der Vermögensprofi rechnet mit baldigen Gegenmaßnahmen von Seiten der Währungshüter – und die dürften erhebliche Folgen haben. "Steigende Zinsen, also die Standardreaktion, würden zumindest die europäische Wirtschaft auf dem falschen Fuß erwischen“, sagt Zimmer.

Viele Menschen haben in den vergangenen Jahren Kredite aufgenommen, auch aufgrund des historisch niedrigen Zinsniveaus. Hebt die Europäische Zentralbank nun die Zinsen an, würden damit auch die Kreditzinsen anziehen – womit die finanzielle Belastung für die Kreditnehmer steigt. "Steigende Kosten bedeuten einen Rückschlag für die Konsumausgaben der Menschen, die zuletzt ein wichtiger Treiber für die europäische Wirtschaft waren“, sagt Zimmer. Die Exporte wiederum werden gerade ohnehin gedämpft durch Zölle und Handelsstreitigkeiten. Auch hier droht also eine Abschwächung der Wirtschaft.

Ölpreis dämpft Teuerung
Für die Aktienmärkte wäre eine Zinswende ebenfalls eine schlechte Nachricht. Zum einen machen steigende Zinsen Anlagen in Anleihen wieder attraktiver. Das zieht Geld aus dem Aktienmarkt ab. Zum anderen würde eine schwächere Wirtschaft tendenziell zu sinkenden Gewinnen führen – mit ebenfalls negativen Folgen für die Aktienmärkte. "Noch aber ist es etwas zu früh, den Teufel Inflation und Zinssteigerung an die Wand zu malen“, sagt Zimmer.

Denn einen großen Anteil am jüngsten Anstieg der Teuerungsraten hatte der Ölpreis. Gerade dort wird sich nun bei der nächsten Statistik ein Basiseffekt bemerkbar machen: Nach dem starken Anstieg verläuft der Preisanstieg jetzt etwas flacher, der reale Zuwachs beim Öl wird derzeit wieder geringer. Das dämpft die Inflation. (fp)