Nach einem insgesamt ordentlichen Halbjahr rücken mit Blick auf die zweite Jahreshälfte nun insbesondere die Faktoren Wachstum, Inflation und Geldpolitik in den Fokus, sagt Ann-Katrin Petersen, Anlagestrategin beim Fondsanbieter Allianz Global Investors. Sie hält insbesondere drei Fragen für entscheidend: Erstens, ob die Wachstumskräfte die Oberhand behalten. Zweitens, wie es mit dem Inflationsanstieg weitergeht. Und drittens, ob den Notenbankern ein behutsamer Kurswechsel gelingt. 

"Nach wie vor steht die Börsenentwicklung im Zeichen der Erwartung, dass sich die globale Konjunktur auf kurze Sicht beschleunigen wird. Allerdings erscheint ein Ende der positiven Datenüberraschungen absehbar", sagt Petersen. Damit dürften Länderunterschiede in der zweiten Jahreshälfte wieder stärker in den Vordergrund rücken.

Die Gesamtinflationsraten bewegten sich währenddessen zwischen temporären Effekten und schleppenden Trends. Damit bleibe das Reflationierungsszenario – fortschreitende Konjunkturerholung bei moderat steigenden Inflationsraten – intakt.

Marschrichtung der Zentralbanken: Normalisierung
Die Zentralbanken arbeiten laut Petersen offensichtlich an einer allmählichen Normalisierung der Geldpolitik. "Ob und in welchem Maße es beim Kurswechsel zu erhöhten Marktschwankungen kommt, hängt insbesondere von einem sorgfältigen Erwartungsmanagement der Notenbanken im Hinblick auf ihre Ausstiegsstrategien ab", sagt Petersen. Dies habe nicht zuletzt die jüngste Euro-Aufwertung gezeigt.

Weltweit dürften die Wachstumskräfte im zweiten Halbjahr vorerst die Oberhand behalten und den Aktienmärkten Rückenwind liefern, sagt Petersen. Angesichts der drei genannten Anlegerfragen und der fortbestehenden politischen Risiken dränge sich allerdings die Frage auf, ob die Allzeittiefs bei Volatilitätsindizes berechtigt sind: "In diesem Umfeld ist Fingerspitzengefühl und aktives Management gefragt." (fp)