Im Jahr 2017 gab es einige Überraschungen, sagt Jeremy Lawson, Chefvolkswirt des britischen Fondsanbieters Aberdeen Standard Investments. "Dazu gehört etwa die Stärkung des globalen Wachstums angesichts eines schneller als erwarteten Rückzugs der US-Notenbank", so Lawson. Auch eine Fortsetzung der populistischen Tendenzen gegen das Establishment, die das Jahr 2016 geprägt hatten, sei ausgeblieben. Vielmehr drängt der französische Präsident Emmanuel Macron seit seiner Wahl auf eine stärkere Integration der Eurozone. Das Wachstum übertreffe die anfänglichen Erwartungen bei weitem. 

Viele Überraschungen kamen aus Washington, so Lawson: "In diesem Jahr hat sich wieder einmal gezeigt, wie das System von 'checks and balances' die Bemühungen eines Präsidenten um weitreichende politische Veränderungen abmildern kann." Gleichzeitig habe sich anhand der Verabschiedung der neuen US-Steuerreform gezeigt, dass das System manchmal auch überraschend schnell funktionieren könne. 

Nicht-Entwicklungen ebenfalls überraschend
Auch nicht eingetretene Entwicklungen sorgten laut Lawson für Überraschungseffekte. So habe die US-Regierung unter Präsident Donald Trump ihre Haltung in der Handelspolitik angesichts der harten innenpolitischen Opposition abgeschwächt. Nach der Erholung zu Jahresbeginn sei das Handelswachstum inzwischen stabil auf einem Niveau, das deutlich über dem jüngsten Durchschnitt liegt.

Das Wachstum in den Emerging Markets wiederum habe weit über den Prognosen gelegen, wobei China, Brasilien und Russland besonders positive Ergebnisse geliefert hätten. Indien hingegen habe enttäuscht. "Das könnte im nächsten Jahr anders sein", sagt Lawson. Wahlen in vielen großen Schwellenländern – darunter Brasilien, Mexiko und Russland – könnten die Ungewissheit zurückbringen. (fp)