08.02. | 2012

Schrift normalSchrift größerArtikel druckenArtikel senden

Geschlossene Fonds werben knapp sechs Milliarden ein

VGF-Vorstand Oliver Porr

VGF-Vorstand Oliver Porr

Die Anbieter geschlossener Fonds haben im vergangenen Jahr 5,85 Milliarden Euro Eigenkapital bei privaten und institutionellen Investoren eingeworben (alle Zahlen inklusive Agio). Das Gesamtinvestitionsvolumen belief sich auf 9,89 Milliarden Euro, teilte der Verband Geschlossene Fonds (VGF) am Dienstag auf dem VGF Summit in Frankfurt mit. Während das Gesamtinvestitionsvolumen gegenüber 2010 um rund eine Milliarde Euro gesunken ist, haben die Institutionellen nach Verbandsangaben ihr Engagement von 620 Millionen Euro auf 1,02 Milliarden Euro ausgeweitet.

Demzufolge haben private Investoren im vergangenen Jahr 4,81 Milliarden Euro in geschlossene Fonds investiert. Weil im Jahr zuvor noch rund fünf Milliarden Euro Eigenkapital in der Statistik auftauchten, bedeutet das Vorjahresergebnis einen Rückgang im Privatkundengeschäft von etwa acht Prozent. Das ist nicht tragisch, verkündet der VGF heute bei der Präsentation der Branchenzahlen, denn im Vordergrund stünden die Assets und am Ende würden Private und Institutionelle in dasselbe investieren. Die Branche sei im Wandel, das müsse zur Kenntnis genommen werden. VGF-Vorstand Oliver Porr betonte auf der heutigen Pressekonferenz: "Der Rückgang im Privatkundenabsatz bewegt sind im Rahmen der normalen Schwankungsbreite."

Verbandsgeschäftsführer Eric Romba gestand immerhin zu, dass die Ergebnisse keinen Anlass zu Jubelarien gäben. Abgesehen davon sei das Stimmungsbild in der Branche uneinheitlich. Während einige Emissionshäuser im Retailgeschäft einen sehr guten Absatz erzielt hätten, gelang dies anderen Unternehmen aus verschiedenen Gründen nicht.

Der Verband betont einmal mehr, mit seiner Statistik nur den "relevanten Markt" abzubilden. Dieser sei im vergangenen Jahr von 168 Anbietern, von denen 112 Unternehmen Platzierungszahlen gemeldet hätten, gebildet worden.
Insgesamt seien 367 Fonds in die Erhebung eingeflossen. Die Tiefenschärfe der Branchenstatistik ist im Detail zu prüfen; auch in diesem Jahr dürften sich wieder mangelnde Trennschärfen, etwa bei der Berücksichtigung von Direktinvestments oder der Definition von Relevanz und institutionellen Anlegern, eingeschlichen haben.

Branchenkenner haben längst mit den genannten Resultaten gerechnet, zumal in den vergangenen Wochen zahlreiche Vorabergebnisse, die Emissionshäuser gemeldet haben, diesen "Erfolg" kolportierten. Ebenfalls nicht überraschend ist, dass die Immobilienfonds mit deutschen Immobilien (2,2 Milliarden Euro Eigenkapital) und Auslandsobjekten (0,8 Milliarden Euro) in der Gunst der Zeichner klar die Nase vorn haben. Auf die Energiefonds entfielen 637 Millionen Euro, gefolgt von 506 Millionen Euro für Schiffsbeteiligungen – allerdings inklusive 104 Millionen Euro Sanierungskapital, das 2011 wieder am meisten Eigenkapital gebunden hat. Für Private-Equity-Fonds konnten die Anbieter laut VGF-Branchenzahlen 469 Millionen Euro einwerben.

Spitzenreiter unter den Anbietern ist DWS Access. Die Tochter der Deutschen Bank sammelte 2011 rund 514 Millionen Euro Eigenkapital ein. 488 Millionen hat das Emissionshaus nach eigenen Angaben bei privaten Anlegern akquiriert. Auf den Plätzen folgen die Bankentöchter KGAL (490 Millionen Euro) und CFB (399 Millionen Euro), die allerdings durch die Platzierung im institutionellen Sektor die Spitzenränge belegen. Im Privatkundengeschäft folgen DWS die Anbieter Real I.S. (320 Millionen Euro) und Wealthcap (225 Millionen Euro), die ebenfalls über einen Bankenhintergrund verfügen.

Auf seiner Pressekonferenz gab der Verband das Ziel aus, im "nächsten Schritt zum Verband der Qualitätsanbieter", so Geschäftsführer Romba, wachsen zu wollen. Dass diese Erkenntnis etwas spät, zumal erst nach dem Start der Imagekampagne "Das kleine Wirtschaftswunder" kam, sahen die Branchenvertreter naturgemäß anders. Ein Gebot der Stunde ist die Professionalisierung der Branche nicht erst seit der bevorstehenden Regulierung. Allerdings haben auf dem heute und morgen stattfindenden VGF Summit auch Unternehmen ein Forum, die den Leitsätzen und Maßstäben des Verbandes nicht Rechnung tragen. Das kompromittiert die redliche Arbeit und Transparenzbemühungen der seriösen Marktteilnehmer. (ae)

Quelle:FONDS professionell

Kommentar verfassen

Sie müssen angemeldet sein, wenn Sie ein Kommentar schreiben wollen.

Klicken Sie auf News Filter, um die Suche zu öffnen. Das Suchwort muss mindestens zwei Zeichen lang sein.News Filter