Der Vize-Chef der US-Notenbank Fed legt überraschend sein Amt nieder. Am Mittwoch gab Stanley Fischer bekannt, sich Mitte Oktober zurückzuziehen, meldet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Der 73-Jährige war von Barack Obama in den Zentralbankrat berufen worden. Offiziell hätte seine Zeit als Fed-Vize im Juni 2018 geendet, seine Amtszeit bei der Notenbank generell erst im Januar 2020. In seinem Rücktrittsschreiben an US-Präsident Donald Trump führt Fischer persönliche Gründe für den Rücktritt an.

Mit Fischers Ausscheiden wächst der Druck auf das Weiße Haus, die Fed-Führung umzubauen, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Von sieben Vorstandsposten sind bereits jetzt drei vakant. Und: Janet Yellens Vertrag als Fed-Chefin endet im Februar kommenden Jahres.

Trump hat bisher nicht über eine Verlängerung entschieden. Er hat lediglich Randal Quarles, der unter George W. Bush ein führender Mitarbeiter im US-Finanzministerium war, für einen der freien Posten nominiert.

Warnung vor Trump-Plänen
Es liegt nahe, Fischers Rücktritt als stillen Protest gegen Trumps Wirtschafts- und Finanzpolitik zu lesen. Belege dafür gibt es zwar nicht. Fischer zeigte sich aber erst kürzlich in einem Interview mit der "Financial Times" unzufrieden mit dem Vorgehen der Trump-Administration in Sachen Bankenregulierung. Pläne wie jener, den jährlichen Stresstest künftig laxer zu gestalten, seien "gefährlich und extrem kurzsichtig", warnte er.

Fischer, der sowohl die US-amerikanische als auch die israelische Staatsbürgerschaft besitzt, gehört zu den wichtigsten Ökonomen der Nachkriegszeit. Von 2005 bis 2013 war er Präsident der israelischen Zentralbank. Zuvor war er unter anderem Chefvolkswirt der Weltbank und Vize-Chef des Internationalen Währungsfonds gewesen. Darüber hinaus lehrte Fischer zeitweise an Spitzenuniversitäten. Zu seinen Schülern gehörten auch die späteren Notenbankpräsidenten Ben Bernanke und Mario Draghi. (fp)