Die Bank Austria wird im Auftritt noch näher an die italienische Mutter Unicredit herangezogen. Der Aufsichtsrat der Unicredit Bank Austria hat am Montag Gianni Franco Papa (62) einstimmig zum neuen Vorsitzenden gewählt, heißt es in einer Aussendung. Papa ist General Manager der Unicredit und damit Nummer zwei hinter dem Vorstandsvorsitzenden Jean Pierre Mustier. Papa war bisher bereits Aufsichtsratsmitglied der Unicredit Bank Austria.

Die Stelle des Vorsitzenden war vakant, nachdem Erich Hampel im November das Handtuch geworfen hatte. Hintergrund ist ein Streit um das fragwürdige Verhalten der Bank rund um den Verkauf von Rechten am Industriebeteiligungsunternehmen B&C.

Verkauf fragwürdiger Rechte
Wie berichtet, will der Investor Michael Tojner B&C übernehmen, die an Unternehmen wie Lenzing oder Amag beteiligt ist. Dafür will er der Unicredit Rechte als Begünstigte beziehungsweise Letztbegünstigte abkaufen. Allerdings besitzt die Unicredit diese Rechte aus der Sicht von B&C längst nicht mehr. Denn die im Jahr 2000 von der Bank Austria ins Leben gerufene B&C-Stiftung hat im Jahr 2008 1,2 Milliarden Euro an die Unicredit bezahlt, um sämtliche Genussrechte an den Industriebeteiligungen der B&C zu erhalten. Bei dieser Transaktion verzichtete die Unicredit laut B&C ausdrücklich auf ihre Stellung als Begünstigte der B&C Privatstiftung und trat "jedwede verbleibenden gegenwärtigen und jedwede zukünftigen Vorteile und Rechte an B&C ab", wie es heißt. B&C hat bereits alle Bankbeziehungen zur Unicredit Bank Austria abgebrochen. Die Anwälte sind engagiert, um eine feindliche Übernahme zu verhindern.

Hampel, der auch den Vorstand der B&C Privatstiftung leitet, wirft laut Medienberichten der Unicredit rechtswidriges Verhalten vor. Brisant ist, dass der neue Vorstandschef Gianni Franco Papa unter anderem im Unicredit Executive Management Committees sitzt und damit auch Mitglied in einem der Gremien ist, die für den B&C-Deal zuständig sind. Laut "Standard" hatte Hampel von den Entscheidungen der Gremien formell nichts über den Plan erfahren.

Bereits seit langem in der Bank
Papa war laut Aussendung des Instituts mehr als fünf Jahre stellvertretender CEO der Unicredit Bank Austria und verantwortlich für das CEE-Geschäft in Wien. Ranieri De Marchis, der den Vorsitz des Aufsichtsrates interimistisch ausgeübt hat, bleibt weiterhin stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates. Papa hat unter dem 2016 angetretenen Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier rasch neue Funktionen übernommen. Ehemals Osteuropa-Chef der UniCredit wurde er im Herbst 2016 zum Generaldirektor der Unicredit. Er ist seit 2016 Mitglied des Aufsichtsrats der Unicredit Bank Austria.

Von Jänner 2015 bis August 2016 war Papa Leiter der Division Corporate & Investment Banking (CIB). Zuvor war er ab 2010 Leiter der Division CEE und stellvertretender CEO der UniCredit Bank Austria.  (eml)