Will der Versicherer Axa das Ruder bei AB übernehmen? Gab es Reibereien zwischen dem CEO und dem französischen Mehrheitseigentümer? Eine Telefonkonferenz mit Denis Duverne, Chairman von Axa, lieferte kaum Klarheit. Fest steht nur: Die Tage von Peter Kraus als Chef von Alliance Bernstein (AB) sind gezählt.

Die Personalie überraschte Analysten und heizte Spekulationen an. "Die Telefonkonferenz des Managements führte zu mehr Fragen als Antworten", schrieb Surinder Thind, Analyst bei Jefferies am Montag. Von Kraus selbst war keine Stellungnahme zu erhalten, Sprecher von Axa und AB wollten sich über eine knappe Pressemitteilung hinaus ebenfalls nicht äußern.

Nettoabflüsse 2016 als Ursache?
Axa war unruhig geworden, nachdem AB, bekannt für aktiv gesteuerte Fonds, 2016 Nettoabflüsse von 9,8 Milliarden US-Dollar erlitt. Doch das allein kann laut Analysten nicht die Ursache für den Rausschmiss gewesen sein. Im Gegenteil: Einige lobten Kraus dafür, dass er Alliance Bernstein stabilisiert und diversifiziert hat, seit er im Dezember 2008 inmitten der Finanzkrise CEO wurde.

In seinen ersten Jahren wurde er kritisch beäugt, als Investoren Gelder in Milliardenhöhe abzogen, doch konnte er die Abflüsse eindämmen. Das betreute Vermögen hatte 2007 mit über 800 Milliarden US-Dollar seinen Spitzenwert erreicht. Zuletzt lag das Anlagevolumen noch bei fast 500 Milliarden US-Dollar. Im ersten Quartal 2017 summierten sich die Nettozuflüsse auf 1,6 Milliarden US-Dollar, wie AB Ende April mitgeteilt hatte.

Von Analysten gedrängt, die plötzlichen Veränderungen zu erklären, war Duverne einsilbig. "Wir haben entschieden, dass es Zeit für eine neue Führung war", sagte er. Es gehe um die Zukunft, und nicht darum, die Vergangenheit infrage zu stellen.

Nachrücker gefunden
Seth Bernstein, bislang leitender Stratege der Asset-Management-Sparte bei JP Morgan Chase, wird Kraus als CEO nachfolgen. Robert Zoellick, früherer Weltbank-Präsident und Manager bei Goldman Sachs, folgt Kraus als Chairman. Das geht aus einer Mitteilung am Montag hervor. Bernstein (55) verbrachte mehr als drei Jahrzehnte bei JP Morgan, zuletzt im Asset Management. Weiter kommen Barbara Fallon-Walsh, zuvor Managerin bei der Fondsgesellschaft Vanguard Group, Daniel Kaye, zuvor Ernst & Young, der frühere J.P. Morgan-Manager Ramon de Oliveira neu in das Board of Directors von AB. Denis Duverne und Mark Pearson von Axa bleiben, Anders Malmstrom, Finanzvorstand von Axa Financial, kommt ebenfalls neu hinzu.

"Wir haben festgestellt, dass alle angekündigten Board-Mitglieder starke Verbindungen zu Axa Financial haben. Das legt nahe, dass Axa mehr Einfluss auf AB ausüben will", schrieben Analysten von Keefe, Bruyette & Woods am Montag. Axa besitzt laut Daten vom 31. März ein Aktienpaket von 63,8 Prozent an AB.

Zumindest finanziell wird Kraus den Abschied verschmerzen können: Alliance Bernstein kauft ihm 4,34 Millionen Aktienzertifikate zu je 22,90 Dollar ab, wie aus einer Pflichtmitteilung am Montag hervorging. Er hatte den größten Teil seiner Vergütung in solchen Zertifikaten erhalten, weiß Bloomberg News zu berichten. (kb/ps)