Der österreichische Top-Ökonom Stephan Schulmeister wünscht sich eine wichtige Einsicht von der Menschheit: "Die letzten 30 bis 40 Jahre führten in eine Sackgasse", mahnte er bei seinem Vortrag auf dem FONDS professionell KONGRESS in Wien. Schulmeister, der auf Einladung von BNP Paribas Asset Management sprach, machte zur Erinnerung einen kleinen Geschichts-Exkurs.

Bereits in den 1920er Jahren stiegen die Aktien überproportional, es kam zum Crash, woraufhin ein Handelskrieg ausbrach. Arbeitslosigkeit und Armut waren die Folge, und nachdem die Menschheit Sündenböcke gesucht und gefunden hatte, kam es schließlich zum Zweiten Weltkrieg. "Eine Balance zwischen dem Börsengeschehen und der sozialen Marktwirtschaft ist daher dringend notwendig", so Schulmeister weiter.

"Kapitalismus kann so nicht funktionieren"
Inzwischen habe aber eine Liberalisierung der Märkte stattgefunden, und man lasse das Geld für sich arbeiten. "Kapitalismus kann so nicht funktionieren", sagt der Top-Ökonom. Die Menschheit habe systemisch nichts aus der Krise von 2008 gelernt, er ist daher davon überzeugt, dass die Finanzkrise vor zehn Jahren nur ein Vorbote gewesen ist.

Schulmeister ist deshalb für eine Eindämmung der "Finanz-Alchemie" und hat für die Umsetzung auch gleich einige Vorschläge im Gepäck: Er ist für die Gründung eines europäischen Währungsfonds und einer gemeinsamen Finanzagentur. Gut vorstellen kann er sich auch ein Ende des Fließhandels auf den Finanzmärkten. Ersetzen würde er diesen mit einer elektronischen Auktion, die nur alle paar Stunden stattfindet. Als Begleitmaßnahme macht er sich auch für eine Finanztransaktionssteuer stark. Eine umfassende Beaufsichtigung des Finanzsektors mittels Dokumentation und Eingriffen durch den Staat würden sein Programm abrunden.

Umweltpolitik als Wachstumsmotor
Doch was tun, um die Wirtschaft weiter am Laufen zu halten? "Eine vernünftige Umweltpolitik könnte hier durchaus eine Unterstützung sein", fährt der Wirtschaftsforscher fort. Um die Preisunsicherheit bei fossilen Energieträgern zu nehmen, sollte die europäische Union gültige Preispfade festlegen, schlägt Schulmeister vor.

Zudem wäre eine thermische Sanierung des gesamten Gebäudebestand der europäischen Gemeinschaft in den kommenden 15 Jahren notwendig. Europaweite Hochgeschwindigkeitszüge könnten den Flugverkehr eindämmen. Schlussendlich müsse das Sozialsystem gestärkt werden, etwa indem auch Kindern aus armen Familien der Zugang zu höherer Bildung schnellstmöglich erleichtert wird. (cf)