Obwohl die Alterung der Gesellschaft und die rasante Zunahme von hilfsbedürftigen Menschen unumstritten ist, wird die Versorgung dieser Bevölkerungsgruppe immer noch stiefmütterlich behandelt. Das betrifft nicht nur die stationäre Betreuung in Pflegeheimen, sondern auch das so genannte "Betreute Wohnen". Der Projektentwickler Silver Living, der dafür geeignete Immobilien plant und errichtet, sieht hier einen enormen Handlungsbedarf.

Betreutes Wohnen findet in altersgerechten Wohnhäusern statt, die von Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz betreut werden. Die Bewohner leben selbständig in kleinen Apartments und erhalten bei Bedarf Unterstützung von der betreuenden Organisation. Ihr ist allerdings verboten, in dem Haus eine 24-Stunden-Pflegekraft anzusiedeln, die nötigenfalls die an sich mobilen Senioren auch pflegerisch unterstützt. Umgekehrt dürften aber mehrere Bewohner von sich aus dieselbe Pflegekraft mit ihrer Betreuung beauftragen.

Viele leben unnötig in Heimen
"Diese Gesetzeslücke ist gänzlich unverständlich", ärgert sich Silver-Living-Geschäftsführer Walter Eichinger. Eine 24-Stunden-Kraft würde das Betreute Wohnen nicht nur aufwerten, sondern laut Eichinger auch das Sozialsystem entlasten. Diese Versorgungsform ist nämlich günstiger als stationäre Pflegeeinrichtungen. Viele Senioren, die nicht in der Familie betreut werden können, müssen aber mangels Alternativen in ein Heim übersiedeln. Eichinger meint: "Hier herrscht dringender Handlungsbedarf, weil viele Senioren müssten noch gar nicht ins Heim müssten."

Derzeit gibt es laut Silver Living in Österreich nur rund 11.000 betreute Wohnungen, der Bedarf liege aber schon heute bei 50.000 bis 60.000 Einheiten.Wegen der demografischen Entwicklung rechnet der Projektentwickler im Jahr 2030 mit einem Bedarf von bis zu 160.000 Plätzen. Damit ist langfristig ein beträchtliches Finanzierungsvolumen in Höhe von mehreren Milliarden Euro notwendig.

Investoren wollen mehr Planungssicherheit
Silver Living arbeitet mit dem Finanzvertrieb Öko Wohnbau zusammen, der neue Projekte über private Investoren finanziert. Geschäftsführer Wolfgang Stabauer meint, dass das freifinanziertes Betreute Wohnen bei Investoren attraktiver, wenn der Gesetzgeber diese Lebens- und Betreuungsform mit sinnvollen gesetzlichen Rahmenbedingungen unterstützen würde. "Mit einem Upgrading erhalten die Investoren und Betreuungsorganisationen größere Planungssicherheit", betont Stabauer. (ae)