Warum wurde Facebook zu so erfolgreich? Als Mark Zuckerberg seine Schwester Randi fragte, ob sie ihm beim Aufbau der Social Media Plattform helfen würde, hatte nichts auf die Dimensionen hingewiesen, die Facebook heute hat. "Als ich in nach Kalifornien kam und das Chaos sah, die Programmierer, die sich tagelang nur von Muffins ernährten, dachte ich, da hast du wirklich eine schlechte Lebensentscheidung getroffen", erzählt Randi Zuckerberg bei ihrem mitreißenden Vortrag am FONDS professionell KONGRESS  in Wien. Schließlich hatte die Medienmanagerin einen gut bezahlten Job beim US-TV-Giganten Fox aufgegeben, um ihren Bruder zu unterstützen.

Die Ernüchterung wich bald der Erkenntnis, dass man in einem kleinen, jungen Team kreativ und ohne Angst davor, "blöd dazustehen" arbeiten kann. "Der Grund unseres Erfolgs lag an der Unternehmenskultur. Jeder fühlte sich als Unternehmer", so Zuckerberg. Besonders die "Hackathons", die das Team organisierte, stellten sich schnell als gewinnbringend heraus. Bei diesen IT-Entwicklerveranstaltungen darf jeder eine Idee präsentieren, egal, wie verrückt sie ist. Randi und Kollegen entschieden sich für eine 80er Jahre Rockband nach dem Motto: "Wir spielen gratis und ihr bekommt, was ihr bezahlt." Eine Scherzidee, aber Randi beschäftigte die Frage, wie man solche Videos auf Facebook integrieren kann. Später entstand daraus das TV-Tool "Facebook Live", das laut Zuckerberg zwei Milliarden Nutzer am Handy installiert haben.

"Alle sagten, niemand will Videocontent auf Facebook sehen. Dann fragte Popstar Katy Perry an. Ich dachte: Das war doch nur eine Hackathon-Idee. Aber dann mussten wir es hinbekommen. Heute nutzen es Politiker, Filmstars, es werden Seminare abgehalten über Facebook Live", so Zuckerberg. Als ich nach Kalifornien kam, sah ich mich nicht als Unternehmerin. Wenn wir diesen unternehmerischen Muskel nutzen und trainieren, dann kann jeder aus einer Idee eine zwei-Milliarden-Nutzer-Anwendung schaffen“.

Zuckerbergs Empfehlung: "Starten Sie einen Mini-Hackathon. Sie werden überrascht sein, wie kreativ die Leute sind, wenn man ein Brainstorming macht und nur kurz einmal die Telefone ruhen lässt."

Scheitern gehört dazu
Allerdings müsse man lernen, mit Scheitern und Zurückweisungen umzugehen. Ihre Karriere sei reich an Abweisungen gewesen: Die Wunschausbildung zur Opernsängerin wurde ihr an der Uni verwehrt, in ihrem ersten Job bei der Agentur Ogilvy wurde Sie dem eher unbedeutenden Team "digitales disruptives Marketing" zugeteilt. Was wie ein Abstellgleis aussah, stellte sich als wichtige Grundlage für ihre spätere Karriere heraus. Das mit der Gesangskarriere ist schließlich auch noch was geworden: Sie durfte eine Rolle am Broadway spielen und bewies ihr Können am FONDS professionell KONGRESS vor dem erstaunten Publikum mit einer amüsanten aber Technik-kritischen Lied-Einlage.

Denn Zuckerberg sieht die modernen Technologien durchaus auch kritisch: "Wir müssen verantwortungsvoll damit umgehen", warnt sie. Sie beschäftigt sich mittlerweile auch beruflich mit den Schattenseiten von Innovation. "Leute, die keinen Anschluss haben, werden gesellschaftlich zurückgelassen." Mit ihrem Unternehmen Zuckerberg Media gestaltet sie unter anderem Initiativen für den sinnvollen Umgang mit Technik. Sie beschäftigt sich damit, Kinder für den richtigen Einsatz der Digitalisierung zu begeistern und spielerisch Programmieren zu lernen. Zuckerberg setzt sich insbesondere dafür ein, dass Mädchen früher für Technik begeistert werden. Dem Silicon Valley hat sie mittlerweile den Rücken gekehrt. (eml)