Er zählt nicht nur zu den größten Legenden des heimischen Fußballs, sondern verfügt auch mit mittlerweile 65 Jahren über eine Strahlkraft, die heutige Kicker leider häufig vermissen lassen: Die Rede ist von niemand Geringerem als Hans Krankl. Der "Goleador" zog im Gespräch mit FONDS professionell nicht nur interessante Parallelen zwischen Fußball und Finanzbranche, sondern sorgte wie gewohnt auch für den einen oder anderen Schmunzler.

Auf die Frage, wie er als Trainer mit dem Spieler Hans Krankl umgegangen wäre, antwortete der Goleador ohne zu zögern: "Ich wäre froh gewesen, einen Spieler wie mich im Team zu haben." Er begründete dies mit seinem unbändigen Ehrgeiz, sich seinerzeit auch im Training ständig verbessern zu wollen und keine "Überstunden" zu scheuen. Und schließlich schätzte er auf Nachfrage auch noch seinen auf heutige Verhältnisse umgelegten Marktwert. "Ich würde sagen 60 Millionen Euro". Wer die derzeitig üblichen Transfersummen kennt, dem war klar, dass der Jahrhundert-Torjäger hier sogar noch tiefgestapelt hat.

Preis-Inflation
Nicht nur bei manchen Assetpreisen, sondern auch im ökonomischen Sonderfall Fußball spielt also die Preis-Inflation eine Rolle. Parallelen wurden während des Podiumsgesprächs auch zu anderen Marktsituation gezogen.

Drohen in der weltweiten Fonds-Branche die etabalierten Wettbewerber von niedrigpreisigen Passiv-Spezialisten wie Blackrock oder Vanguard an die Wand gedrückt zu werden, sind es im modernen Klubfußball Ball-Artisten wie Paris Saint Germaine, Chelsea oder Real Madrid. Wie man sich gegen eine scheinbar übermächtige Konkurrenz durchsetzen kann? Ein Krankl-Rat: "Mach’s wie Ajax."

Der ehemalige Gewinner des Meister-Cups – der Vorläuferbewerb der Champions League – spielt dieser Tage international kaum eine Rolle mehr. Was nicht bedeutet, dass der niederländische Traditionsklub nicht auf gesunden wirtschaftlichen Beinen steht. "Ajax leistet hervorragende Nachwuchsarbeit, verkauft die selbst aufgebauten Spieler" und hat so aus einem Nebenwerk sein Hauptgeschäftsmodell gemacht – man könnte auch sagen, Ajax hätte sich neue Vertriebsfelder erschlossen.

Stupid Money
Dass man sich außerdem – und egal in welcher Branche – nicht blind auf die eigene finanzielle Feuerkraft verlassen kann, habe außerdem das relativ frühe Ausscheiden von Paris St. Germain gezeigt. "Die hunderten Millionen, die in den Klub geflossen sind, sind verloren", erklärt Krankl. Ein klassische Fehlinvestition also und auch ein Beispiel für "Stupid Money". Man könnte auch sagen: Geld ohne nachhaltige Strategie kann schneller verloren zu gehen, als man "Krankl" sagen kann.

Global denken
Insgesamt und auf karrieretechnischer Basis rät Krankl jedenfalls – auch aus seinen eigenen Erfahrungen als Spieler beim FC Barcelona oder später als TV-Experte beim Bezahlsender Sky – den Blick über den Tellerrand zu wagen. Frische Ideen, wie man alte Problem bewältigt, hat man nicht, wenn man ewig im eigenen Saft schmort, oder unsinnigen organisatorischen Dogmen unterliegt.

Paradigmatisch führt Krankl hier die zumindest zu seiner Zeit geltende ORF-Vorschrift an, wonach es Sportjournalisten verboten war, sich als Fans eines Fußball-Klubs zu outen. "Das ist unmöglich!", alteriert sich der ehemalige Stürmer-Star. Vorschriften dieser Art sollen zu Objektivität führen, münden aber in Wirklichkeit in Intransparenz und leisten Interessenskonflikten Vorschub. (mb/hw)