Trotz der Wachstumshemmnisse durch eine striktere Regulierung, einen schärferen Wettbewerb und den Kosten- sowie Preisdruck möchte DJE Kapital Boden gut machen. "Wir wollen weiter wachsen", sagte der neue Vertriebs- und Marketingchef Thorsten Schrieber, im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. Er ist seit November 2017 Mitglied der erweiterten Geschäftsführung der Gesellschaft von Jens und Jan Ehrhardt. Er löste Michael Schütt ab, der nach nur einem Jahr das Haus wieder verlassen hatte. Schrieber hatte bereits von 2001 bis 2007 die Bereiche Vertrieb und Marketing von DJE Kapital gleitet.

Bislang zeigt sich das Marktumfeld noch freundlich für die Branche. So konnten Asset Manager in den vergangenen Jahren unter dem Strich massenhaft Geld einsammeln, das verwaltete Vermögen steigern und erkleckliche Gewinne erwirtschaften. Doch das Umfeld wird rauer, die Konkurrenz durch günstige, börsengehandelte Indexfonds (ETFs) nimmt zu. "Die Gebührenregression ist im vollen Gange", erläutert Branchenkenner Schrieber. "Nur wer einen echten Mehrwert liefert, wird auch künftig noch einen vernünftigen Preis für seine Produkte erzielen", zeigt sich der DJE-Profi überzeugt.

"Einen Schnaps mehr Rendite"
Daher wird sich der Markt in zwei Lager aufspalten: die Branchengrößen, welche die Markt- und Preisführerschaft übernehmen, sowie Spezialisten, die in ihren Nischen einen Mehrwert liefern und höhere Gebühren verlangen können. Fondsanbieter, die lediglich die Marktentwicklung widerspiegeln, werden in Bedrängnis geraten und vor der Konkurrenz durch passive Produkte kapitulieren müssen. Dies trifft meist die mittelgroßen Anbieter. "Wir meiden dieses Tal der Dürre dazwischen", sagte Schrieber.

Er sieht DJE Kapital auch nicht in der Rolle eines Markt- oder Kostenführers, sondern als Spezialanbieter. "Durch unser aktives Management und die Kompetenz unserer Analysten wollen wir einen Schnaps mehr für unsere Anleger verdienen", erläutert Schrieber. "Wir sind ein Alpha-Generator. Wir werden unsere Portfolios nicht um jeden Preis anbieten. Wir benötigen ein gewisses Preisniveau, um solide wirtschaften zu können. Aber unsere Kunden sind bereit, für eine entsprechende Leistung auch eine angemessene Gebühr zu zahlen", ist sich der Kenner sicher.

Digitalisierung vorantreiben
Dementsprechend werde das Haus die bestehenden Vertriebskanäle pflegen, die Investmentkompetenz ausbauen und die Effizienz steigern. Dazu zähle auch, die Digitalisierung vorantreiben. Mit dem Robo-Advisor Solidvest sei hier ein wichtiger Schritt getan. "Akquisitionen sind nicht unser Weg. Allenfalls Vermögensverwalter, die wegen Mifid II ihr Geschäft abgeben möchten, könnten für uns vielleicht von Interesse sein." Die Vermögensverwaltung nimmt bei DJE Kapital nur noch einen Anteil von 15 Prozent am Gesamtvolumen ein.

Den von seinem Vorgänger eingeleiteten Personalaufbau sieht Schrieber als weitgehend abgeschlossen an. Im Vertrieb an institutionelle Kunden sowie bei der Betreuung von Investment Consultants sollen noch Mitarbeiter angeheuert werden. Zudem will Schrieber einen Client Portfoliomanager installieren. Dieser soll die Kernprodukte der DJE-Palette kennen und Kundenfragen zur Investmentseite beantworten können. Dies soll Fondsmanagern mehr Freiraum schaffen, sich auf ihre eigentliche Aufgabe – gute Anlageziele finden – zu konzentrieren. (ert)